Zucchini-Champignon-Tarte mit Schabzigerklee-Guss

Zucchini-Champignon-Tarte mit Schabzigerklee-Guss

18. Januar 2020

Das Unwort des Jahres 2019 ist „Klimahysterie“. Alle, die lange schon oder nun endlich geschnallt haben, dass die Vergewaltigung unserer Erde so nicht weitergehen kann, versucht man, in die pathologische Ecke zu stellen. Diejenigen, die für Umwelt und Klimaschutz einstehen, werden als krankhaft übersteigert betitelt. In gewisser Weise leiden diejenigen, denen Erkenntnis zuteilwurde ja durchaus, denn die Ausmaße dessen, was wir angezettelt haben, sind bedrückend. Doch nicht von Krankheit kann die Rede sein, eher von beginnender Genesung.

Einige Medien stellen nun Überlegungen darüber an, ob das Thema „Klimaschutz“ inzwischen tatsächlich zu aufgeregt diskutiert wird. Seit sich die Schwedin Greta Thunberg am 20. August 2018 mit ihrem Pappschild vor dem schwedischen Parlament auf den Boden setzte und erklärte, dass sie mittels Schulstreik das Klima retten wolle, scheint alles rasant anders geworden zu sein. Omnipräsent ist die Befassung mit der katastrophalen Situation nun. Es ist schwierig geworden, sich zu drücken. Die junge Frau ist weltbekannt, wurde ins EU-Parlament eingeladen, sprach auf der Weltklimakonferenz und dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos, bekam den alternativen Nobelpreis. Auftritte und Reisen – ob mit Segelschiff oder Zug – finden überall Beachtung. 2019 wurde sie vom amerikanischen Nachrichtenmagazin Time zur „Frau des Jahres“ gekürt. Greta Thunberg hat eine Initialzündung ausgelöst. Die lange vor sich hin dümpelnde Barkasse „Klimaschutz“ hat sich in eine rasant dahin gleitende Fregatte verwandelt. Es scheint nicht ausgeschlossen, dass sich bald gar eine Kanonenboot-Flotte in friedlicher, jedoch entschlossener Mission auf den Weg macht. Nicht nur an „Fridays for Future“! I hope!

Grafik demonstrierender Menschen (Grafik: Succo, Pixabay)

Die Folgen eines Protestes

Greta Thunberg vor dem schwedischen Parlamentsgebäude (Foto: Anders Hellberg, CC BY-SA 4.0)Was der gigantische Rummel für die so entschlossen wie scheu wirkende Greta Thunberg bedeutet, vermag man nur zu ahnen. Wenn alle Welt auf einen blickt, Öffentlichkeit und Medien volle Fahrt aufgenommen haben, allen voran die sozialen Medien, bremst man den Zug nicht mehr. Der Druck, der sich aufbaut, ist in seiner Gewalt und Dimension lediglich ansatzweise zu ermessen. Wer nun sagt: „selbst schuld“, macht es sich zu einfach. Auch wenn das Schulterzucken nicht so aggressiv ist, wie die Methoden der Hetzer, eine Art der Ablehnung und Geringschätzigkeit ist es allemal! Die von allen Seiten bedrängte Schülerin wird nun von Bodyguards eskortiert. Für die einen ist sie eine Heldin. Für Klimawandel-Leugner, bequeme Politiker und egomane oder schlicht minderbemittelte Ignoranten ist sie ein Ärgernis. Deshalb wertet man sie, ihre weltweite Gefolgschaft und die von ihr ausgelösten Proteste durch die absurde Wortschöpfung ab. Dabei stellen sich die glasklar zu durchschauenden Antipoden als ewig gestrig und zudem noch frauenfeindlich dar. Wurde „Hysterie“ einstmals Frauen angedichtet, die aufgrund ausbleibenden Kindersegens ein angeblich krankhaft aufgeregtes Verhalten an den Tag legten. Besser als die Süddeutsche Zeitung kann man das altertümliche Gewese kaum benennen: „Die Rede von ‚Hysterie‘ ist Gebrüll vom Pavianfelsen!“ Großartig!

Klimafreundlich Abrüsten

Der Hintergrund der Propaganda ist ziemlich klar zu erkennen. Aus den unterschiedlichsten Gründen schürt das Wort Klimawandel Angst und die unbequeme Diskussion samt der hohen Bedeutung, die ihr geschenkt wird, geht vielen auf die Nerven, zumindest gegen den Strich. Der Klimawandel ist mitten in der Gesellschaft angekommen, und jeder muss sich nun Gedanken darüber machen, was er noch tun darf und was er unbedingt lassen soll. Das Thema ist extrem fordernd, denn es fällt schwer, sich der Befassung zu entziehen. Man steht unter Handlungsdruck. Es mag wohl sein, dass Mancher sich verstohlen umblickt, bevor er seinen Einkaufswagen mit allerlei Plastikmüll befüllt. Ich will mich dabei nicht ausnehmen, denn ich gewinne meinen persönlichen Kampf gegen unsinnige Verpackungen längst nicht immer. Die Frage, wie ich meinen Beitrag zum klimafreundlichen „Abrüsten“ gestalten kann, treibt mich gewaltig um. „Seit Greta“ deutlich stärker als „vor Greta“. Applaus!

Gefüllter Einkaufskorb - Marktbummel

Alte Wege neu beschritten

Manches ist sehr leicht zu ersetzen. Man trinkt Leitungswasser statt Wasser aus Plastikflaschen, kauft Jogurt und Milch in Gläsern statt in Kunststoffbechern oder Tetrapack. Die Kartoffeln kommen direkt vom Bauern oder vom Wochenmarkt. Auch Obst und Gemüse lässt sich dort sehr einfach lose einkaufen. Die Einkäufe kommen in Körbe und ein zusammenfaltbarer Stoffbeutel wird stets mitgeführt, für „alle Fälle“. Statt herkömmlichem Waschpulver kauft man „Bio“ und achtet bei der Ersatzbeschaffung von Waschmaschine und Trockner auf Geräte mit niedrigen Verbrauchswerten. Über Kaffeekapseln sollte man eigentlich nicht mehr reden müssen und über das Fliegen oder Schippern mit schwimmenden Hotels der Spezies „Dreckschleuder“ sollte man gründlich nachdenken.

Andere Gewohnheiten sind nicht so leicht abzustellen und machen mir noch zu schaffen. Zu einigen Punkten ist mir schlicht noch keine Lösung eingefallen, oder die Lösung, die mir eingefallen ist, gefällt mir nicht. Währenddessen leiste ich meinen Beitrag zum Klimaschutz auf vielfältige Weise mit anderen Mitteln. Die tausend Kilometer in den Urlaub an der Nordsee fahren wir beispielsweise nicht mehr mit dem Auto, sondern mit der Bahn. In meiner Küche achte ich penibel darauf, nichts verkommen zu lassen. Essen im Müll ist mir ein Gräuel, manchmal aber landet es auch bei mir dort. Leider! Eine schöne Möglichkeit zur Verwertung von Gemüseresten ist das Backen einer Tarte. Die sich wiederum, wenn sie nicht umgehend verspeist wird, einige Tage aufheben oder einfrieren lässt.

Eine „klimaneutrale“, nachhaltige Tarte

Eine Tarte mit Zucchini und Champignons gibt es diesmal. Trotz einfacher Zutaten wird sie einfach raffiniert! Unter anderem durch „Schabzigerklee“. Jeder, der schon einmal in Südtirol war und dort das extrem köstliche „Vinschgauer“ Fladenbrot oder Schüttelbrot gegessen hat, hat bereits Bekanntschaft mit ihm gemacht, unerkannt sozusagen. Das Kraut, dem Bockshornklee ähnlich, hat etwas Spitziges, leicht Säuerliches und Bitteres an sich. Es ist jedoch nicht nur wegen seines interessanten Geschmacks erstaunlich, sondern auf sehr leise, bescheidene Weise klimafreundlich. Es sammelt Stickstoff aus dem Boden auf und verwandelt ihn in Protein. Man mäht das Kraut ab, trocknet es und verwendet es zum Würzen. Die Wurzeln der Pflanzen wiederum dienen der Bodendüngung ohne weiteren Zusatz von stickstoffhaltigen Düngern. Das ist nachhaltig. Und die fluffige Tarte mit dem würzigen Schabzigerklee-Sahne-Guss ist es beinahe auch! Allein der unübertroffene Filoteig kommt aus der Türkei und ist in Plastik eingewickelt. Es geht nicht anders, sonst würden die filigranen, superdünnen Blätter vertrocknen. Bleibt zu hoffen, dass er nicht geflogen ist, sondern mit einem Lkw der Emissionsklasse „Euro VI“ und folgende transportiert wurde 😉.

  1. Zucchini halbieren und in Scheiben schneiden. Mit Rosmarinzweig, Olivenöl und Salz vermengen.
  2. Im vorgeheizten Backofen schmoren, mehrmals wenden. Abkühlen lassen.
  3. Pilze in Scheiben oder Segmente schneiden. Zwiebel fein würfeln.
  4. Pilze in Butterschmalz anbraten. Zwiebeln dazugeben und zusammen schmoren. Beiseitestellen.
  5. Backform buttern, mit Filoteig-Blatt auskleiden, erneut buttern, Filoteig in mehreren Lagen auflegen.
  6. Crème légère, Jogurt, Quark, Eier, Misopaste, Senf und Gewürze verquirlen. Mit Zitronenabrieb abschmecken.
  7. Gemüse mit zwei Drittel Guss vermischen, in die Backform füllen. Backen.
  8. Käse fein reiben, mit restlichem Guss und Piment d’Espelette vermischen.
  9. Auf die Tarte gießen, nochmal backen.
  10. Butterschmalz erhitzen und abgezupfte Petersilienbüschel darin frittieren. Auf Küchenkrepp abtropfen lassen.

Die Zucchini halbieren und in Scheiben schneiden. Mit Rosmarinzweig, Olivenöl und einer Prise Salz vermengen. Im vorgeheizten Backofen bei 180 °C Ober-/Unterhitze ca. 30 Minuten schmoren, mehrmals wenden. Abkühlen lassen. Pilze in Scheiben oder Segmente schneiden. Zwiebel fein würfeln. Pilze heiß in Butterschmalz anbraten. Sobald sie braune Spuren haben, Zwiebeln dazugeben und einige Minuten zusammen schmoren. Beiseitestellen.

Die Backform ausbuttern. Mit Filoteig-Blatt auskleiden, erneut buttern, Filoteig auflegen, mit der dritten und vierten Lage ebenso verfahren. Für den Guss Crème légère, Jogurt, Quark, Eier, Misopaste, Senf und Gewürze verquirlen. Kräftig mit Zitronenabrieb abschmecken. Gemüse mit zwei Drittel Guss vermischen, in die Backform füllen. Im vorgeheizten Ofen bei 180 °C bei Ober-/Unterhitze 25 Minuten backen. Käse fein reiben, mit restlichem Guss und Piment d’Espelette vermischen. Auf die Tarte gießen, nochmal ca. 25 Minuten backen, bis die Oberfläche goldbraun geworden ist. In der Zwischenzeit Butterschmalz erhitzen und einige abgezupfte Petersilienbüschel darin frittieren. Auf Küchenkrepp abtropfen lassen.

Die etwas abgekühlte Tarte in Stücke schneiden. Zum Anrichten die Macadamia-Nüsse fein darüber reiben und mit der frittierten Petersilie ausgarnieren.

Tipp: Wenn man die Tarte als Zwischengang serviert, passen hervorragend kräftige, geschmorte Artischocken sowie eine Nocke aus geschmorten, pikant marinierten Artischocken dazu.

(Für 4 bis 8 Portionen)

Menge Zutat

1 Packung

Filoteig (runde Form)

2 bis 3 EL

flüssige Butter

4 mittelgroße

Zucchini

1

Rosmarinzweig

2 EL

Olivenöl

8 bis 10

große Steinchampignons

1 mittelgroße

milde Zwiebel

1 EL

Butterschmalz

2 EL

Crème légère

4 EL

Griechischer Jogurt (10 %)

125 g

Quark (20 %)

3

Eier

1 Zehe

Knoblauch

½ Bund

Petersilie

2 TL

Dijonsenf

2 Msp

Schabzigerklee

2 Msp

mildes Currypulver

2 TL

helle Misopaste

1

Bio-Zitrone

 

Salz, Pfeffer

100 g

milder Bergkäse

2 Msp

Piment-d’Espelette

Einige

geröstete Macadamia-Nüsse

2 EL

Butterschmalz

Diese Seite wurde zuletzt am 18.01.2020 um 11:25 Uhr aktualisiert.

Zurück

Copyright 2015 - 2020 FoodLady Jutta Hehn. Alle Inhalte dieses Webangebots, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Das Urheberrecht liegt, soweit nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet, bei Jutta Hehn. Bitte fragen Sie mich, falls Sie die Inhalte dieses Internetangebotes verwenden möchten.