Winterkabeljau und Tigergarnelen mit Chicorée und Früchten

Winterkabeljau und Tigergarnelen mit Chicorée und Früchten

16. Februar 2020

„Sabine“ war da. Ein unerfreuliches Intermezzo. Eine Heimsuchung gar. Wir hatten sie nicht eingeladen, das jedoch war ihr schnuppe. Sabine ist aggressiv, laut und angriffslustig. Was waren wir erleichtert, als sie nach einer wilden Nacht und einem extrem ungemütlichen Vormittag abrauschte. Eines ist jedoch sicher, „Sabine“ wird uns nicht mehr ärgern. Das nächste Sturmtief wütet unter neuem Namen.

Für 199 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer kann man sich in einer Art Patenschaft bei der FU Berlin die Möglichkeit kaufen, ein Sturmtief mit dem eigenen Vornamen taufen zu lassen. Ein Hoch ist kostspieliger und kostet 299 Euro. Jahrzehnte lang trugen die Tiefs weibliche, die Hochs männliche Namen. Im Zuge der Gleichberechtigung jedoch wurde vor einigen Jahren der jährliche Wechsel eingeführt. In ungeraden Jahren tragen nun auch Hochs Frauennamen. Das heißt, im nächsten Jahr sind die Männer wieder schuld an Sturm und Hagel. „Sabine“ hat an diesem Februarwochenende einen fulminanten Auftritt hingelegt und uns kräftig die Kreide verhagelt. Insbesondere mir, der Liebste sieht das alles deutlich gelassener. Im schlimmsten Fall, sagt er zum Trost, könne uns das Dach um die Ohren fliegen. Lebhafte Bilder fluten mein Hirn, und schicken sich an, Horrorszenarien zu produzieren. Ich stemme mich mit Macht dagegen: „Kein Kopfkino. Wehret den Anfängen!“ Dann sagt der Liebste, auch zum Trost, ganz so schlimm wie „Lothar“ damals, würde es ja vielleicht gar nicht werden. Danke auch! Ich glaube, ich will nichts mehr hören! 🤔

Unwetterhimmel

„Lothar“ kam Weihnachten

An „Lothar“ kann ich mich noch bestens erinnern. Am 26. Dezember 1999 saßen wir vormittags zuhause, alle Läden dicht, und hörten, wie der Orkan Fahrt aufnahm. Schlimm war es, wenn die Böen wie ein D-Zug aufs Haus krachten. Alles vibrierte, das Gebälk ächzte. Beängstigend waren aber auch die Pausen dazwischen. Wenn es vor dem nächsten Aufprall so unheimlich still war. Plötzlich waren diese Erinnerungen in alter Frische auferstanden. Panik klopfte an die Hintertür. Irgendwie kam ich mir bald vor, als stünde uns ein Tornado mit begleitendem Tsunami bevor. Den ganzen Tag über hörte man im Radio nur noch „Sabine“ und von Sturmböen bis 160 Stundenkilometern. Hörer, bei denen es schon fegte und rüttelte, meldeten sich im Radio, um ihre Eindrücke zu schildern. Irgendwann ist mir diese Panikmache dann auf den Sender gegangen – im wahrsten Sinn des Wortes – und ich habe Alexa angewiesen, auf einen Stream umzuschalten. Was sie auch umgehend tat. Wie gut, wenn noch auf etwas Verlass ist! Aber das Thema ließ mich nicht los, denn der Liebste eilte durch Haus und Hof, um alles zu sichern, was nicht niet- und nagelfest war. Selbst die Mülltonnen mussten in die Garage, damit sie nicht etwa auf die Straße rollen und einen Unfall verursachen würden. Im Keller wurden Sachen nach weiter oben in die Regale geräumt, falls der von Starkregen geflutet würde. Das Vergnügen hatten wir bereits und mir wurde bang und bänger. Meine Nervosität nahm zu und wurde nicht besser, als die Böen immer ungestümer wurden. Mir schwante, dass ich in dieser Nacht wohl nicht friedlich träumen würde im sonst so gemütlichen Dachgeschoss! Ob ich in der Nacht wohl besser aufbleiben sollte?

Gewitter über dem Land

Die Skrei-Chicorée-Therapie

Ich sah mich auf dem Teppich sitzen, im Fersensitz, um mit größter Achtsamkeit Brahma-Atmen zu praktizieren. Ich würde mich sozusagen mental ins Universum beamen, wo der Orkan ganz einfach nicht existiert und mir nichts anhaben kann. Nein, das ist jetzt nicht so ganz ernst gemeint, obwohl ich in der Tat von der Achtsamkeit, dem Atmen und dem Universum viel halte! Ich würde mich ablenken, einfach ausblenden, dass da gerade ein Orkan auf uns zugerast kam. Spüren konnte ich die aufgewühlte Front schon, mir war, als stünde ich unter Strom.

Entwurzelte Bäume durch Orkan „Sabine“

Ich beschloss zu kochen und inspizierte den Vorrat. Chicorée, Orangen, Pomelo und Äpfel lagen für den morgendlichen Smoothie bereit. Ich konfiszierte sie schon einmal für einen frischen, fruchtigen Salat. Im Froster lagerten „Skrei“, der festfleischige norwegische Winterkabeljau, und Tigergarnelen aus Bayern. Her damit, die sollten auf meinen Salat gebettet werden. Darum herum geröstete Macadamia-Nüsse, denn Nüsse aller Art haben wir immer im Haus. Und das köstliche Zitronen-Curry-Spitzkraut, von dem noch ein kleiner Rest im Kühler stand, käme in Form kleiner Nocken dazu. Es würde die bitteren, süßen und säuerlichen Aromen des Salates durch seine herrlich zitronige Spritzigkeit perfekt ergänzen. Ganz unverhofft hätte ich ein köstliches Gericht erschaffen. Ich schnippelte und werkelte im Zeitlupentempo, denn diese Art der Ablenkung funktioniert bei mir immer. Musik und das sonore Schnurren der Abzugshaube sollten das stärker werdende Rütteln und Fauchen etwas mildern. Das klappte zumindest so lange, bis aus dem Rütteln Backpfeifen wurden, die nichts Gutes ahnen ließen. Der Aufbau des Spektakels würde noch einige Stunden dauern, bis es irgendwann zwischen Mitternacht und frühem Morgen mit Wucht über uns hinweg walzen würde. Nicht dran denken, es geht vorbei! OM!

Unwetterhimmel

„Sabines“ Arbeit im Akkord

Baumfällarbeiten nach einem OrkanIch bin von Natur aus mit gutem Schlaf gesegnet. In dieser Nacht jedoch, geschah ein kleines Wunder. Ob es das Universum war, das über mich wachte, ob es das Atmen war, das Kochen, das gute Essen oder das „Stuppi“, das ich mir vorm Schlafengehen genehmigte, ich weiß es nicht. Wahrscheinlich hat das alles zusammengewirkt. Ich habe durchgeschlafen, als wäre nichts gewesen! Der Liebste erzählte mir am Morgen, dass es beachtlich gepoltert, geknarrt und gepfiffen hätte. Ich hatte nichts mitbekommen, während „Sabine“ ihren zerstörerischen Job erledigte! In der Nacht waren Bäume umgefallen, Dächer wurden abgedeckt, Bahn- und Flugverkehr waren eingestellt worden, viele Haushalte hatten keinen Strom, Menschen wurden verletzt. Aber alles in allem war es nicht so schlimm, wie befürchtet. Wir sind wieder einmal recht glimpflich davongekommen, und dafür bin ich sehr dankbar. Wie so oft sage ich mir, dass es völlig sinnlos ist, sich vor etwas zu fürchten. Furcht ist reine Projektion und am Ende kommt es meistens doch ganz anders. Wenn das nächste fiese Tief kommt, weiß ich, was hilft: achtsam atmen, konzentriert kochen, ruhig bleiben. Und wenn’s überstanden ist, freut man sich und stößt auf das Leben an!

Der Salat

  1. Garnelen und Fisch auftauen.
  2. Zwiebel in feine Ringe schneiden. 15 Minuten im Essig ziehen lassen.
  3. Chicorée längs in sehr feine Streifchen schneiden. In kaltes Wasser legen.
  4. Pomelo und Orange schälen und filieren. Saft auffangen.
  5. Salatdressing anrühren.
  6. Nüsse rösten, grob hacken.
  7. Apfel in sehr feine Scheibchen schneiden. In Zitronensaft einlegen.
  8. Salatblätter verlesen.
  9. Chicorée gut abtrocknen und mit den Früchten in das Dressing geben.
  10. Das Zitronen-Spitzkraut daneben anrichten.
  11. Zwei Pfannen mit Butterschmalz aufsetzen. Fisch melieren. Fisch und Garnelen braten.
  12. Salat anrichten, Fisch und Garnelen auflegen, mit Aceto-Perlen und Salatblättchen garnieren.
  13. Nüsse darum herum streuen.

Das Zitronen-Spitzkraut

  1. Spitzkohl sehr fein hobeln.
  2. Salzen und kneten.
  3. Zitronengras fein hacken.
  4. Zitronenschale abreiben. Zitronen auspressen. Mit Wasser und Zucker vermengen.
  5. Das Kraut dazugeben. Zitronenabrieb und Zitronengras dazugeben. Mischen.
  6. In ein steriles Glas füllen. Von oben beschweren.
  7. Im Kühlschrank ziehen lassen.
  8. Benötigte Menge entnehmen, abtropfen und Mayonnaise unterheben.

Der Salat

Die Garnelen auf einem Sieb auftauen. Skrei ebenfalls auftauen, auf Küchenkrepp gut abtrocknen, in mundgerechte Stücke zerteilen. Kurz vor dem Braten melieren.

Zwiebel in feine Ringe schneiden und 15 Minuten im Essig ziehen lassen, damit sie milder wird. Chicorée vom Strunk befreien. Längs in sehr feine Streifen schneiden. In kaltes Wasser geben. Bis zur Verwendung kühl aufbewahren, so wird er besonders knackig. Von Pomelo und Orange Schale und weißes Häutchen abschneiden. Filets herauslösen. Saft dabei auffangen und für das Dressing verwenden. Aus Essig, Rapsöl, Senf, Zitronensaft, Honig, Saft, Salz und Pfeffer ein Dressing rühren. Nüsse rösten, abkühlen lassen, in grobe Stücke schneiden. Apfel in sehr feine Scheibchen schneiden, in Zitronensaft wenden. Blutampfer verlesen.

Chicorée-Streifchen auf einem Sieb abgießen und auf einem sauberen Geschirrtuch und Küchenkrepp abtropfen lassen. Mit den Filets in die Marinade geben, auf Tellern verteilen. Nocken vom Zitronen-Spitzkraut daneben setzen. Butterschmalz in zwei Pfannen erhitzen, Skrei und Garnelen darin kurz braten. Beides soll innen noch leicht glasig sein. Sofort auf den Salat setzen, mit den Aceto-Perlen und den Ampfer-Blättchen garnieren, Nüsse darum herum streuen.

Das Zitronen-Spitzkraut

Den Kohl vierteln, Strunk entfernen, auf der Mandoline in sehr feine Streifen hobeln. Kohl nicht zu stark salzen, 5 Minuten kräftig kneten. Die äußeren Blätter der Zitronengrasstangen entfernen, das Innere sehr fein hacken. Zitronenschale abreiben. Zitronen auspressen. Mit Wasser sowie (nicht zu wenig) Zucker vermengen. Über das Kraut geben und mit der abgeriebenen Zitronenschale und dem Zitronengras vermengen. In ein steriles, ausreichend großes Glas füllen, von oben mit einem mit Wasser gefüllten, verschlossenen Gefrierbeutel beschweren. Mindestens 48 Stunden im Kühlschrank ziehen lassen. Vor dem Servieren die benötigte Portion entnehmen, gut abtropfen lassen, Curry und Mayonnaise unterheben.

(Für 2 Portionen)

Der Salat

Menge Zutat

2

Skrei-Filets (ersatzweise Kabeljau)

6 bis 8

große Garnelen (z. B. Tiger-Prawns)

4 EL

Butterschmalz

2

Dolden Chicorée

1 kleine

Orange

1

Pomelo

1

Granny Smith

1

rote Zwiebel

1 Hand voll

Macadamia-Nüsse

Einige Blättchen

Blut-Sauerampfer (ersatzweise Baby-Leaf-Salat)

1 Gläschen

Aceto-Perlen

4 EL

Zitronen-Spitzkraut (s. u.)

Etwas

Mehl (für den Fisch)

 

Für das Salat-Dressing

2 EL

milder Fruchtessig

4 EL

Rapsöl

4 EL

Orangen- und Pomelosaft

1 TL

Dijon-Senf

1

Bio-Zitrone

Einige Spritzer

Honig

 

Salz, Pfeffer

Das Zitronen-Spitzkraut

Menge Zutat

1 kleiner

Spitzkohl

2

Bio-Zitronen

2 Stangen

Zitronengras

2 EL

Mayonnaise (beste Qualität)

½ TL

mildes Curry

 

Zucker, Salz

Diese Seite wurde zuletzt am 16.02.2020 um 13:06 Uhr aktualisiert.

Zurück

Copyright 2015 - 2020 FoodLady Jutta Hehn. Alle Inhalte dieses Webangebots, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Das Urheberrecht liegt, soweit nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet, bei Jutta Hehn. Bitte fragen Sie mich, falls Sie die Inhalte dieses Internetangebotes verwenden möchten.