Sardinenbrot

Sardinenbrot

20. Februar 2022

Fasching fordert den einen oder anderen von uns heraus. Wenn auch in diesem Jahr erneut etwas anders, als wir es gewohnt sind. Einen „schnappen“, das sollte drin sein. Ganz ohne feiern wäre das Leben doch zu trist. Hat man einen zu viel geschnappt (in der häuslichen Gemeinschaft oder mit geboosterten Freunden) – am nächsten Morgen wacht man auf, hoffentlich ohne schweren Kopf, dafür aber mit gesegnetem Appetit nach Herzhaftem.

Es muss nicht immer der silbrig schimmernde Rollmops sein 🤯, der bei einem Katerfrühstück auf die Beine hilft. Eleganter und mehrdimensionaler als ein Rollmops kommt mein Sardinenbrot daher. Auf kräftigem Sauerteigbrot werden silbrig glänzende Fischlein mit marinierten Gemüsen und frisch gehobelten Zwiebeln auf belebender Meerrettichbutter in Position gebracht. Orangenfilets liefern kräftigendes C-Vitamin, Schnittlauch toppt die belegten Sardinenbrote. Wie mit Schätzen beladen kommen sie – schwergewichtigen Schiffen gleich – angefahren. Diese „Schiffe“ sind ein optimaler Booster, schmecken jedoch auch im gemäßigten Alltag. Übrigens: Wer tatsächlich Schiffe vor sich am Sofa vorbeiziehen sieht, der verspeist eines der Brote, trinkt ein großes Glas Ingwer-Zitronen-Wasser und geht nochmal für einige erholsame Stunden in heilbringend abgedunkelter Stube zu Bett. Danach ist die Welt wieder in Ordnung, und Körper und Seele fühlen sich pudelwohl!

Ein Glas Zitronensaft

Schießpulver-Schwaden schnuppern

Die „Fastnacht“ oder auch „Faasenacht“ meiner Kindheit war aufregend. Zunächst hielt der Sportverein eine Party für die „Kids“ in der Turnhalle ab. In ansonsten zur Ertüchtigung vorgesehener Umgebung fand ungewohntes Treiben statt. Anstelle der Turnbekleidung, die ich sonst zweimal die Woche trug, habe ich in besonderer Erinnerung ein Kostüm als „Cowboy-Girl“. Das Kostüm war in diesem Fall komplett gekauft, ansonsten hatten wir die Verkleidungen immer selbst zusammengestellt, und Mutter und Oma traktierten die Nähmaschine. Der Colt mit den Schießplättchen wurde von mir in dieser Session häufig bemüht. Das Knallen berührte mich weniger, doch dieser brenzlige Duft gefiel mir so gut!

Lachslocken im Dunklen

Dann folgte das Übliche. Am Donnerstag die „Weiberfastnacht“ – auch als „Fetter Donnerstag“ bekannt. Am Freitag Pause. Am Samstag wieder der Turnverein, diesmal im örtlichen Kulturhaus, mit viel Aufwand. Das Dorf war auf den Beinen, nicht alle kamen verkleidet. Einigen reichte ein keckes Hütchen. Der Vater ging gerne als gestreifter Matrose mit lachsfarbenen Locken. Nach dem x-ten Bier wunderte er sich wohl im Waschraum über das ihn anblickende Konterfei. Die Mutter konnte bis zum Ende des Abends nichts mehr aus der Ruhe bringen. Am nächsten Morgen stellte sie eine Karaffe Wasser ans Bett, ließ die Läden geschlossen und verordnete uns allen in der Wohnung Stille. „De Vatter braucht sei Ruh!“

Harsche Kritik nach guter Stimmung

Guter Stimmung jedoch war man am Abend – verkleidet oder nicht – so oder so, und in der Sektbar tobte das Leben. Verbotene Küsse und wütende Ohrfeigen inklusive. Einige der jungen, ledigen Damen vibrierten doch zu offensichtlich mit dem netzbestrumpften Po und dem wie ein Pudding wackelnden Dekolleté. Ich saß mit dem Musikverein auf der Bühne, und wir untermalten das Treiben mit launigen Medleys. Von dort oben konnte man in den Pausen zwischen der Mucke wunderbar beobachten, wer unten auf der Tanzfläche an wem herumfummelte. Ich dachte dann immer, dass so ein bescheiden wirkendes Dorf doch einigen Zündstoff in den Gedärmen oder wo auch immer birgt … Am nächsten Morgen gab die Mutter, nach diesem Abend noch immer sichtlich erzürnt zum Besten, welchem von den „Flittchen“ sie am liebsten eine „runtergehauen“ hätte. Weil sie „billig“ seien, täten sie „Keinen“ finden, und deswegen müssten sie sich an Ehemänner der anderen heranmachen. Wenn sie sich da aber mal nicht verrechnet hätten …

Zitronengemälde

Meine Fastnacht-Homöopathie

Schon lange bleibe ich solch brodelnden Veranstaltungen fern. Ich wohne nicht mehr im Ort, kenne nur noch wenige Menschen von dort und habe ansonsten lieber meine Ruhe und pflege Beschaulichkeit. „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ gehört für mich zum Faschingsprogramm, das ist dann aber schon ziemlich alles. Früher gab es noch so etwas wie einen „Hausball“ im Dorf. Dazu luden Kneipen ein, die dem munteren Treiben einen eher privaten Rahmen verpassen wollten. Einige davon waren sehr schön, aber ich glaube, solche Veranstaltungen sind wohl in manchen Regionen aus der Mode gekommen. Der „Bär“ tobt vermutlich nur noch in Hochburgen wie Köln und Mainz. Ich bleibe mit dem Liebsten im eigenen Haus, und wir machen es uns gemütlich.

Alleh hopp

Mein Sardinenbrot kann insofern gut vorbereitet werden, weil das selbst gebackene (oder auch selbst gekaufte) Sauerteigbrot geduldig darauf wartet, belegt zu werden. Auch die Sardinen schlummern in ihrer Büchse, und alle anderen Zutaten können vorbereitet und im Kühler in die Warteschlange gestellt werden. Schnell ist das Brot belegt und mit frisch geschnittenem Schnittlauch garniert. Ein kühles Blondes zu den silbrigen Gesellen und ein schöner Abend kann kommen, oder der Appetithappen wartet bis zum nächsten Kater 🤢. Je nach Lebenslage baut es also auch am „Morgen danach“ auf, das Blonde allerdings sollte man durch ein Mineralwasser ersetzen. Los geht es: „Allez hop“ sagen die französischen Nachbarn, „Alleh hopp“ sagt der Saarländer. Auf jeden Fall sind wir gut gewappnet!

  1. Butter mit Sahnemeerrettich vermengen. Kühlen.
  2. Vor dem Servieren das Brot üppig damit bestreichen.
  3. Tomaten überbrühen, Haut abziehen, marinieren.
  4. Zwiebeln fein hobeln und in Essig und Salz einlegen.
  5. Sardinen abtropfen lassen.
  6. Artischockenherzen in Segmente zerteilen.
  7. Aus der Orange Filets heraustrennen.
  8. Zitrone in Segmente schneiden.
  9. Brotscheiben mit den Zutaten belegen, mit Oliven garnieren.
  10. Mit Schnittlauch bestreuen.
Mit Sahnemeerrettich bestrichenes und mit pikantem Piment d’Espelette bestreutes Sauerteigbrot ist allein schon eine Delikatesse. Belegt mit Kirschtomaten und roten Zwiebeln, zuvor vermengt mit Sardinen und Artischockenherzen ergibt sich ein Geschmacks- und Kraftbooster. Einige Zitronenachtel sorgen für Säure und Schnittlauch tragen zur Appetit stiftenden Spitzigkeit bei.

Die Butter mit dem Sahnemeerrettich vermengen. Wer möchte, gibt etwas Piment d’Espelette für pikante Schärfe hinzu. Bis kurz vor der Verwendung kühlen. Vor dem Bestreichen der Brotscheiben soll die Meerrettich-Butter dann wiederum zimmerwarm sein. Die Butter üppig auftragen.

Die Tomaten überbrühen, Haut abziehen. Aus Zitronensaft, Salz, Honig, Pfeffer und Olivenöl eine Vinaigrette herstellen. Die Tomaten darin 1 bis 2 Stunden marinieren. Rote Zwiebeln sehr fein hobeln und mit Essig und Zucker mazerieren. Den Zwiebeln wird dadurch Strenge entzogen, sie schmecken später eher mild und süßlich. Vor dem Verwenden auf einem Sieb abtropfen lassen. Artischockenherzen leicht abtropfen lassen und in feine Segmente schneiden. Die Sardinen ebenfalls auf einem Sieb abtropfen lassen und mit der Gabel grob zerzupfen. Einige Exemplare zur Deko im Ganzen aufbewahren. Die Zitrone in feine Segmente schneiden und die Brote damit dekorieren. Vor dem Verzehren sollen sie über den Broten ausgepresst werden. So hat man belebende Säure im Spiel.

Sardinen mit Zwiebeln, Tomaten und der Marinade, Orangenfilets, Oliven und Artischocken locker vermengen. Die Brote dekorativ belegen. Unmittelbar vor dem Servieren mit Schnittlauch bestreuen.

Tipp: Sardinen mit der silbrigen Haut sind eine wahre Augenweide, wie man auf meinen Fotos sehen kann. Sie sind allerdings bisweilen etwas strenger als die enthäuteten Kollegen. Bitte selbst entscheiden, was man bevorzugt!

 

Zutaten für 2 Portionen

Menge Zutat

4 Scheiben

Sauerteigbrot (bevorzugt Roggen-Mischbrot)

1 Dose (ca. 100 g)

Ölsardinen (wahlweise mit oder ohne Haut)

1 mittelgroße

rote Zwiebel

3 bis 4 EL

schwarze Oliven (vorzugsweise „Taggiasca“)

1 Hand voll

Kirschtomaten (abgezogen, mariniert).

1

Orange (filiert)

Ca. 6

marinierte Artischockenherzen

1

Bio-Zitrone

2 EL

Sahne-Meerrettich

2 EL

Butter (zimmerwarm)

½ Bund

Schnittlauch

Diese Seite wurde zuletzt am 19.02.2022 um 23:29 Uhr aktualisiert.

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