Kartoffelklößchen auf Rahmkraut mit Bratapfel

Kartoffelklößchen auf Rahmkraut mit Bratapfel

30. November 2015

Alle Welt schwärmt von Fermentiertem, das aus Asien zu uns herüberschwappte, dem „Kimchi“ aus Chinakohl. Als Folge dessen sollte das gute alte Sauerkraut wieder so richtig in Mode kommen. Wir müssen uns damit nicht verstecken! Und ohne Probleme ließe es sich, wie der Verwandte aus Asien, scharf machen: Ein wenig Chili und Ingwer könnten es pimpen! Zu Unrecht haftet ihm etwas einseitig das Attribut „deftig“ an. Köstliche Gerichte, die durchaus als „fein“ und „leicht“ zu bezeichnen sind, lassen sich damit zubereiten. Bei uns steht es, vor allen Dingen in der dunklen Jahreshälfte, recht häufig auf dem Speiseplan. Langeweile: Fehlanzeige!

Sauerkraut-Lasagne, Sauerkraut-Strudel, Sauerkraut-Tarte, Sauerkraut-Kartoffel-Küchlein, Sauerkraut-Salat. Das Kraut kann viel, sogar Sterneküche: Sehr edel sind die „Lachs-Zander-Röllchen im Sauerkrautmantel“ aus der Feder von Johann Lafer. Und überraschend leicht und spritzig die „Sauerkrautsuppe mit Blutwurstnocken“ nach einer Rezeptur der ersten Sterneköchin Deutschlands, der viel zu früh verstorbenen Doris-Katharina Hessler. Wichtig ist, wie bei allen Zutaten für ein gutes Essen, dass man ein schönes Grundprodukt einkauft. Entweder im Naturkostladen oder an der Metzgereitheke. Das Sauerkraut muss auf natürliche Art gereift sein, also ohne „Beschleuniger“, frisch schmecken und nicht zu säurelastig sein. Die Ware aus der Dose kommt bei mir nicht auf den Tisch. Ich habe eigentlich immer eine Portion frisches Sauerkraut vorrätig. Dabei darf die Portion ruhig üppig dimensioniert sein, denn ich kann nicht anders, eine ausgiebige Verkostung des rohen Krautes findet immer statt. Ich liebe es und staunte nicht schlecht, dass man in der berühmten Budapester Markthalle das dort sehr beliebte Kraut in Tütchen als Snack bekommt!

In meiner Kindheit war es übrigens nahezu undenkbar, dass in einem ordentlichen Haushalt der steinerne Sauerkrauttopf im Keller fehlte. Wir haben einmal im Jahr einen riesigen Haufen Weißkohlköpfe, „Kappes“, eingeschnitten. Dazu bestellten wir die „Kappes-Schneiderin“ ein mit ihrem riesigen alten Holzhobel. Dieses Schauspiel, wenn sie kräftig ausholend mit der Riesenmandoline hantierte und die prallen Köpfe atomisierte, ließ ich mir nie entgehen! Neben dem Sauerkraut fermentierten grüne Bohnen und gemischte Rüben vor sich hin. Die beiden letzten sind sehr köstlich, doch leider kennt sie kaum noch Jemand. Wenn man gerne an früher denkt und bedauert, dass die Zeiten sich geändert haben, ist man wohl auf dem Weg, alt zu werden. Das nun auch noch zu bedauern, wäre grundverkehrt, denn wenn man viel Fermentiertes zu sich nimmt, altert man kerngesund und völlig faltenfrei 😊.

Heute musste es schnell gehen. Nach dem Training hatte ich einen Mordshunger und keine Lust mehr, noch einkaufen zu fahren. Ich war mir sicher, dass sich aus der häuslichen Lagerhaltung etwas zaubern ließe. Auf den Küchentresen wanderten: eine Portion Sauerkraut, eine Fenchelknolle, zwei Möhren und ein viertel Spitzkohl sowie ein Apfel. Und eine halbe Packung Kloßteig „halb und halb“ aus dem Kühlregal, die noch übrig war. Damit kann man doch was Tolles machen: kleine Kartoffelklößchen auf Rahmkraut, dazu glasierte Apfelscheiben. Und als Topping obenauf etwas gebratene Chorizo mit Semmelbröseln. Herrlich!

  1. Gleichmäßige kleine Klößchen formen und diese in etwas Grieß wälzen.
  2. Gemüse kleinschneiden.
  3. Apfel in Scheiben schneiden.
  4. Schalotte fein würfeln und in Olivenöl anschwitzen. Karamellisieren lassen. Mit Brühe und Sahne ablöschen. Lorbeer- und Wacholder hinzugeben und simmern lassen.
  5. Apfelscheiben in Olivenöl und Butter sowie einer Prise Zucker glasieren.
  6. Chorizo fein würfeln und langsam auslassen. Dann Semmelbrösel hinzugeben.
  7. Klößchen im siedenden Salzwasser garziehen lassen.
  8. Gemüse gar werden lassen.

Einen Topf mit Salzwasser aufsetzen. Aus dem fertigen Teig gleichmäßige kleine Klößchen formen und diese in etwas Grieß wälzen. Dann glänzen sie später schöner. Nun die Gemüse klein schneiden. Wer Zeit sparen möchte, nimmt die Mandoline dafür her. Wenn die Mandoline schon oben ist, kann auch der Apfel auf diese Weise in Scheiben geschnitten werden. Das Sauerkraut verkosten und sollte es zu sauer sein, etwas abspülen. Nun die Schalotte fein würfeln und in Olivenöl anschwitzen. Einen Teelöffel Zucker hinzugeben und leicht karamellisieren lassen. Sauerkraut mit der Brühe und der Sahne ablöschen. Lorbeer- und Wacholderbeeren hinzugeben und gemütlich vor sich hin simmern lassen. Die Apfelscheiben in etwas Olivenöl und der Butter sowie einer Prise Zucker glasieren. Die Chorizo fein würfeln und langsam in einer kleinen Pfanne auslassen. Dann die Semmelbrösel hinzugeben, damit sie das würzige Paprikaöl aufsaugen können. Wer die Kalorien fürchtet, verzichtet auf die Wurst. Vegetarier können ein paar Mandelstifte oder Nüsse dazu knusprig karamellisieren.

Tipp: Den Teig aus dem Kühlregal pimpe ich mit reichlich Muskat und einer schöne Portion fein geschnittenem Lauch oder Frühlingslauch. So wird er perfekt!

(Für 2 Portionen)

Menge Zutat
½ Packung Kloßteig („halb und halb“)
3 bis 4 EL Grieß

1 Hand voll

Sauerkraut
¼ Spitzkohl
1 Fenchelknolle
2 Möhren
2 Schalotten
Ein Stück Chorizo (ca. 8 cm Länge)
2 EL Semmelbrösel
1 Apfel
2 geh. TL Zucker
1 EL Butter
2 bis 3 EL Olivenöl

⅛ l

Sahne
½ Tasse Geflügelfond
2 Frische Lorbeerblätter
4 bis 6 Wacholderbeeren
  Salz
  Pfeffer

Tipp

Übrigens kann man getrost den fertigen Kloßteig verwenden, er schmeckt fast so gut wie der selbstgemachte. Wenn ich nur eine kleine Menge Teig benötige, greife ich auch gerne zu den vorgefertigten Klößchen aus der Fleischertheke. Wobei ich ihn in der Regel schon gerne selbst herstelle. In meinen Teig kommt etwas mehr Muskat und eine schöne Portion Lauch oder Frühlingslauch. Dann ist er ganz perfekt!

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