Bittersalate mit Ziegenfeta und Zimtpflaumen
17. Februar 2026
Ich bin ein treuer Freund der gesamten Familie der Bittersalate und zeige heute meine Hochachtung mit einer raffinierten und gleichzeitig einfachen Komposition! In meiner Salatschüssel versammeln sich Radicchio, Löwenzahn und Rosenkohl. Letzterer stammt nicht wie die Bittersalate von der „Wegwarte“ ab, sondern hat seine eigene Familie, die „Kreuzblütler“. Doch hat auch er einen leicht bitter-herben Geschmack und trägt zusätzlich Senföle in sich, die hintergründige Schärfe beisteuern. Zu etwas Besonderem avanciert der Salat mit würzig eingelegten Pflaumen, spritzigem Ziegenkäse und Piemonteser Haselnüssen. Grundsätzlich passen zu Bittersalaten Früchte, Käse und Nüsse.
Familienbande
Die wichtigsten Familienmitglieder aus dem Clan der Bittersalate stelle ich vor: Da ist der dunkelrote Radicchio rosso. Allen voran der kugelrunde, kräftig bittere Chioggia und der längliche, mildere Treviso. Der leicht gewundene, lanzettenartige Radicchio Tardivo di Treviso kommt aus Venetien. Er durchläuft notwendige Wachstumsphasen in einer aufwändigen Prozedur, bis er sein irgendwo zwischen bizarr und anmutig anzusiedelndes Erscheinungsbild erreicht hat. Nach dem Ernten baden die Wurzeln einige Wochen im Dunkeln in kaltem Quellwasser. Was für ein hartes Dasein. Letzten Endes wird nur sein Herz verspeist!
Lustiger wird es, sobald der gesprenkelte, mild und aromatisch nussig schmeckende Castelfranco des Weges kommt. Er mutet an wie ein Blumenstrauß aus Salat. Sein Farbspektrum erstreckt sich über cremeweiße, hellgelbe bis hin zu rot-violetten Tönen. Wann immer ich seiner habhaft werden kann, greife ich zu. Allein schon sein Aussehen hebt meine Stimmung. Wenn sie nicht gehoben werden muss, nehme ich ihn trotzdem, weil er köstlich schmeckt!
Kein Kaffeesatz
Ein weiteres Mitglied der Familie der „Wegwarten“ ist Chicorée, der ebenfalls aus dem Dunkel kommt. Seine Erfolgsgeschichte entstand aus Zufall. Aus seinen Wurzeln wurde im Krieg Kaffee-Ersatz hergestellt. Man vergrub sie, um sie vor Eroberern zu verstecken. So entstand der helle, knackig-frische Spross! Ebenfalls anverwandt sind die Endivien. Sie kommen in mehreren Varianten vor und haben vom Sommer bis in den späten Winter unterschiedliche Erntezeiten. Die Winterendivien sind von den Blättern her dunkler grün, deutlich robuster und auch etwas bitterer als die hellgrünen, im Inneren leuchtend gelben, zarten Sommerendivien. Besonderes Schmuckstück der Familie ist die krause Endivie, der Frisée. Ihn gibt es neben dem klassischen Frisée auch mit besonders schmalen, ungebändigt fransigen, leicht fedrigen Blättern. Er stammt aus dem Piemont und trägt den Namen Pancalieri. Der Frisée hat im Unterschied zur Endivie den männlichen Artikel, obwohl er aus dem Französischen kommt, und dort weiblich ist „la frisée“ oder „salade frisée“. Er schmeckt allerdings, ob maskulin oder feminin, gleichermaßen elegant. Nur leichte Bitternoten und eine getreidige, grasige Note zeichnen ihn aus.
Zartbitter und reiselustig
Löwenzahn entstammt der Familie der „Korbblütler“, ist jedoch im „bitteren“ Sinne ein Gleichgesinnter. Ihn gibt es nicht nur als gebleichte, hellgelbe Variante. Im Frühjahr und Frühsommer, wenn er draußen auf Wiesen und Feldern sprießt, sind seine Blätter grün, zart und nur ganz leicht bitter. Auffallend am Löwenzahn sind seine leuchtenden Blüten, die entstehen, wenn er schon weit gediehen ist. Kenner ernten ihn vorher, denn dann ist er milder. Entgegen Behauptungen ist die milchige Substanz in Löwenzahnstielen nicht giftig, wenn man ihn nicht in Mega-Mengen verzehrt. Sie kann aber Juckreiz und Pickel verursachen. Besser also, man lässt ihn ab der Blüte länger stehen, so dass sich aus den strahlenden Blütenständen die Pusteblume entwickelt. Dem Kind in mir macht es noch immer Freude, sie zu pflücken und die kleinen wattigen Fallschirmchen auf die Reise in ihr nächstes Leben zu schicken 💕!
Ich bin überschwänglich und bezeichne meine heutige Salatkombination als famos! Die bitteren Aromen von Radicchio und Löwenzahn paare ich mit herbem, ebenfalls leicht bitterem, jedoch erdigerem und leicht süßlichem Rosenkohl. Ein sehr charakterstarkes und gleichzeitig harmonisches Trio. Würzige, süß-säuerliche Pflaumen leisten Gesellschaft und passen hervorragend, denn bittere und fruchtige Aromen ergeben wunderbare Pärchen. Der spritzige Ziegen-Feta macht den Salat pfiffig. Geröstete Piemonteser Haselnüsse veredeln ihn. Die heutige Rezeptur ist einfach zuzubereiten und findet daher ihren Platz in der FoodLady-Kategorie „Einfach köstlich“.
- Pflaumen einlegen, durchziehen lassen.
- Salat verlesen.
- Rosenkohl sanft schmoren.
- Haselnüsse golden rösten.
- Ziegenfeta zerbröseln.
- Petersilienblätter abzupfen.
- Dressing herstellen.
Die Pflaumen auf einer Platte ausbreiten und auftauen. Zunächst den Zucker dunkel golden karamellisieren. Keineswegs zu braun werden lassen, sonst wird er bitter. Essig und Wasser hinzufügen. Der Karamell löst sich von selbst auf. Sternanis, Zimtstange, Vanillestange, Ingwer und Pimentbeeren hinzufügen. Den Sud aufkochen, eine sehr kleine Prise, Salz hinzufügen. Den Sud über die Pflaumen geben. Über Nacht durchziehen lassen. Die Gewürze entfernen.
Einige äußere Blätter vom Radicchio im Ganzen lassen, um damit die Bowl auszukleiden. Restlichen Radicchio nicht zu fein zerzupfen. Löwenzahn verlesen und in mundgerechte Stücke schneiden. Einige äußere Blätter vom Rosenkohl abzupfen, kurz blanchieren. Restlichen Rosenkohl halbieren, auf der Schnittseite in Olivenöl und Butter bei mittlerer Hitze und geschlossenem Deckel schmoren. Er soll noch al dente, die Schnittfläche leicht gebräunt sein. Den Ziegen-Feta zerbröseln. Die Haselnüsse gleichmäßig anrösten, am besten im Backofen.
Die benötigte Menge Pflaumen abtropfen lassen und in schmale Segmente schneiden. Etwas von dem Einlege-Sud bis auf ein Drittel einkochen und für das Dressing verwenden. Restliche Pflaumen im Sud gekühlt aufbewahren und bald verzehren. Aus den genannten Zutaten eine sämige Vinaigrette rühren. Dazu zunächst alle Zutaten bis auf das Öl verquirlen, dann das Öl langsam hinzufügen, dabei immer weiter mit dem Schneebesen kräftig schlagen. So viel Öl (gegebenenfalls etwas mehr als angegeben) hinzufügen, bis die Vinaigrette dicklich wird. So bleibt sie gut an den Salatblättern haften.
Mit einigen Radicchio-Blättern die Schüssel auskleiden. Geschmorten Rosenkohl einfüllen, mit etwas Dressing beträufeln. Blattsalat in der Vinaigrette wenden, mit dem Feta einfüllen. Mit den Rosenkohlblättchen, Haselnüssen und Petersilie dekorieren.
(Zutaten für 2 bis 3 Portionen als Hauptgang)
| Menge | Zutat |
|---|---|
|
150 g |
Radicchio |
|
150 g |
Löwenzahn |
|
150 g |
Rosenkohl |
|
2 EL |
Olivenöl |
|
1 EL |
Butter |
|
100 g |
eingelegte Pflaumen (aus 400 g TK-Ware) |
|
150 g |
Ziegen-Feta |
|
80 g |
geschälte Haselnüsse (aus dem Piemont) |
|
Einige Stängel |
Blattpetersilie |
|
|
Salat-Dressing |
|
2 bis 3 EL |
milder Weißweinessig (z. B. Condimento Bianco) |
|
3 EL |
Rapsöl |
|
3 EL |
Haselnussöl |
|
4 EL |
reduzierter Pflaumensud (s. u.) |
|
1 bis 2 EL |
Blütenhonig |
|
1 EL |
Dijon-Senf |
|
1 EL |
helle Misopaste |
|
|
Salz, Pfeffer |
|
|
Pflaumensud |
|
3 bis 4 EL |
Zucker |
|
100 ml |
milder Rotweinessig (z. B. Condimento rosso) |
|
200 ml |
Wasser |
|
1 Daumen großes Stück |
Ingwer (in Scheiben geschnitten) |
|
2 |
Sternanis |
|
½ |
Zimtstange |
|
½ |
Vanillestange |
|
4 |
Pimentbeeren |
