Tofu-Salate

Tofu-Salate

23. November 2017

„Hygge!“. Nein, das ist kein neuer cooler Motivationsruf zur Bewältigung von Alltagsproblemen. Das Wort symbolisiert einen Grundwert der Dänen und bedeutet Gemütlichkeit, Wohlbefinden, Heimeligkeit. „Hygge“ steht für eine Haltung, die das Leben schöner macht! Es geht darum, Auszeiten bewusst in den Alltag einzuplanen und sich Zeit zu nehmen für Familie, Freunde und schöne Stunden. Ein Brunch mit feinen Speisen und stundenlangen Gesprächen in gemütlicher Umgebung ist wie geschaffen, um „Hygge!“ zu praktizieren!

Seit die Dänen im „Weltglücksbericht“ der Columbia Universität zum wiederholten Mal vorne lagen, macht sich alle Welt Gedanken darüber, wie um Himmels willen sie ihr unerschütterliches Glücksgefühl zustande bringen. Alle wollen auch so anhaltend glücklich werden! Dass das machbar ist, wissen wir ja nun, aber welche Gegebenheiten bilden das Fundament des dauerhaften dänischen Glücks? Vieler kleiner Glücksmomente, einfach zwischendurch, ohne besonderen Anlass. Her mit der Rezeptur, liebe Dänen!

Auf „Hygge“-Spurensuche

Ein Grund sich zu freuen sind sicherlich, das allgegenwärtigen Meer und die endlosen Sandstrände­ im Königreich. Bestimmt auch die überaus lässige und weltoffene Hauptstadt und die entzückende Sprache. Unsinn: In unseren Ohren klingt es entzückend, wenn Dänen Deutsch sprechen. Ob Dänisch in dänischen Ohren putzig klingt, das weiß ich ja überhaupt nicht! Ja, ja, die Fantasie… 😳 Standzuhalten vermag eher die Annahme, das Königshaus vermittele das Gefühl von Verlässlichkeit und Beständigkeit. Die kettenrauchende Königin Margrethe scheint alle Unwägbarkeiten zu überdauern, und der smarte Kronprinz Frederik mit seiner strahlenden Mary und den vier Kinderchen stellen den Idealtypus der modernen und glücklichen Familie dar. Das schafft Gemeinschaftsgefühl, davon bin ich überzeugt! Welche Rolle spielt die vorbildliche soziale Absicherung, die weit verbreitete Neidlosigkeit und Ehrlichkeit, die immer wieder thematisiert werden? Es ist wohl so, dass das Zusammenwirken von vielen positiven Faktoren zu der soliden Lebensfreude führt.

Kätzchen lieben warme Plätze

Kerzen-Rekord-Halter

Da sich die Dänen zwischen Herbst und Frühjahr nicht an Sonnenstunden im Übermaß erfreuen können, haben sie sich dazu entschieden, ihre Behausungen auf andere Art und Weise zum Leuchten zu bringen. Während in unseren Breiten das Gejammer über den Novemberblues schon nach zwei Nebel- oder Regentagen manifest ist, nehmen die Dänen die Unwägbarkeiten der Jahreszeiten an. Sie machen es sich in ihrer „Hyggeburg“ recht „hyggelig“. Gemütlichkeit ist angesagt. Soll es draußen schütten und toben, in ihrem Zuhause sind sie beschützt und geborgen. Es ist warm, hell und gesellig. Die Dänen sind übrigens mit weitem Abstand die Weltmeister im Kerzenanzünden. Ich würde für mich beanspruchen, dass ich in dieser Disziplin gut mithalten kann. Ob in lauen Sommernächten oder an den langen Abenden in dieser Jahreszeit sind sie mir ein lieb gewordener Licht- und Wärmespender.

Feld im Herbst

Die Glücksratgeber

Tausende „Anleitungen zum Glücklichsein“ tummeln sich auf dem Büchermarkt. Sie firmieren teilweise unter mehr als irritierenden Titeln. Ob in 52, 17 oder 7 überraschenden und ganz einfachen Schritten komme man garantiert zu einem selbstbestimmten Leben. Das Glück wird „entdeckt“ oder es werden „Glücksprojekte“ gestartet. Man stellt Glückslisten auf und bietet Abreißkalender zum Verkauf, die versprechen, die tägliche Portion Glück sicherzustellen. Und seit die Welt sich (neu)gierig mit dem Begriff „Hygge“ befasst, boomen zu diesem verheißungsvollen Spezialthema die passenden Ratgeber. Selbstredend ebenfalls mit Erfolgsgarantie. Ein komplett absurder Buchtitel hierzu: „Glücklich sein. Es geht also doch!“ Als Beweis werden die gesegneten Dänen bemüht. So funktioniert Marketing!

Zu „Hygge“ bekennen

Jenseits jedoch von jedem Kommerz bin ich praktizierender „Hygger“. Längstens schon, bevor ich eines Morgens aus dem Badezimmerradio das für mich neue Wort hörte. Mir war sofort klar, dass ich der dänischen Lebenshaltung, ohne sie zu kennen, sehr nahestehe. Das Zuhause, besonders in der dunklen Jahreszeit, gemütlich zu gestalten, ist für mich keine Option, sondern ein Muss. Mit Kissenhüllen, warmen Decken, Kerzen und Teelichten eine gemütliche Atmosphäre schaffen, das ist genau mein Ding. Schmökern, kochen, essen, plaudern. Raus an die frische Luft. Bei Sonne sowieso, aber auch bei Regen. Dann zurück in die gute Stube, was kann behaglicher sein?

Brunch

Einladung zum Brunch

Zum Brunch einladen ist mein Tipp, die Gemütlichkeit auf die Spitze zu treiben. Für mich ist daran einfach alles schön. Die Planung der Speisen, das Kochen und Backen am Vortag. Alle Schätze ordentlich zu verstauen und eine Liste über sie führen, damit nichts in der Vorratskammer oder dem Kühler vergessen wird. Und dann am nächsten Morgen erwartungsfroh alles hervorzaubern und einen einladenden Tisch damit bestücken. Oder, wenn die Runde größer wird, ein Buffet aufzubauen. Reichlich frisches Obst und Gemüse neben dem Entsafter platzieren. Das selbst hergestellte Baguette kurz knusprig aufbacken, helles für Marmelade, dunkles aus Sauerteig für die deftigen Leckereien. Die Kaffeemaschine schon einmal vorglühen, Latte- und Teegläser in ausreichender Menge bereitstellen. Die Kerzen anzünden, chillige Musik einschalten und sich auf das Tönen der Haustürklingel freuen …

Mein Highlight sind heute Salate aus unserem selbst produzierten Tofu. Die Zubereitung auf „indische Art“ ist scharf-fruchtig, die „ungarische Art“ ist säuerlich-pikant, die „schwedische Art“ punktet mit Rote Bete, Dill und Meerrettich und die „Landfrauen-Art“ ist mit Lauch, Trauben und Apfel bodenständig. Sie haben gemeinsam den wundervollen Tofu und die Mayonnaisen-Basis. Dann trennen sich die Wege und variieren mit unterschiedlichsten Zutaten, um zuletzt wieder zusammen zu treffen: Alle vier Salate sind überaus köstlich!

Die Grundsauce

  1. Aus allen Zutaten eine cremige Salatsauce mixen.
  2. Vier gleich große Portionen in Schüsselchen geben und mit den weiteren Zutaten (siehe Zutatenliste) vermengen.

Die Grundsauce

Aus allen Zutaten mit dem Pürierstab eine cremige Salatsauce mixen. Sollte sie zu dicklich sein, mit etwas Apfelsaft nachhelfen. Vier gleich große Portionen davon in Schüsselchen geben und mit den weiteren Zutaten (siehe Zutatenliste) vermengen. Noch einmal abschmecken und bei Bedarf nachwürzen.

Für 4 mittelgroße Schälchen mit ca.  12 – 14 cm Durchmesser

Die Grundsauce

Menge Zutat
200 g Mayonnaise (beste Qualität oder selbstgemacht)
2 Schalotten (fein geschnitten, blanchiert)
1 kleiner Apfel (fein gewürfelt, blanchiert)
3 TL Dijon-Senf
1 EL Apfeldicksaft

1 bis 2 TL

Zitronensaft (nach Geschmack)
Etwas Zitronenabrieb
2 bis 3 TL Xanthan-Mix (1 g Xanthan auf 100 ml Wasser)
  Salz, Pfeffer, Zucker

Der Salat auf indische Art

Menge Zutat
150 g Tofu (feine Würfel)
2 EL feinste Würfelchen vom Knollensellerie (blanchiert)
½ Tasse Ananas (nicht zu feine Würfel)
10 – 12 Physalis (geviertelt)
2 – 3 EL Caribic-Früchte-Nussmischung (z. B. von Seeberger), feine Würfelchen
Einige Stiele Koriander (mit Stielen fein gehackt)
1 TL Curcuma
1 TL milder Curry
1 Msp geriebener Ingwer
Einige Korianderblättchen (zur Dekoration)

Der Salat auf ungarische Art

Menge Zutat
150 g Tofu (feine Würfel)
½ Tasse Paprikawürfelchen (blanchiert)
3 – 4 EL Kürbiswürfelchen (fein gewürfelt, blanchiert)
2 EL eingelegte Tomatenpaprika (feine Würfel)
2 – 3 EL feine Scheiben von kleinen Essiggürkchen
1 TL Paprika edelsüß
1 Msp Rauchpaprika
Einige Stiele Schnittlauch (feine Röllchen)
Etwas Kresse (zur Dekoration)

Der Salat auf schwedische Art

Menge Zutat
150 g Tofu (feine Würfel)
½ Tasse Eingelegte rote Bete (feine Würfel)
1 kleiner Apfel (feine Würfel, blanchiert)
1 EL Frischer Meerrettich (gerieben)
2 EL Granatapfel-Kerne
1 Msp Geriebener Ingwer
Einige Stiele Dill (fein gehackt)
Einige Dill-Ästchen (zur Dekoration)

Der Salat auf Landfrauen-Art

Menge Zutat
150 g Tofu (feine Würfel)
½ Tasse helle Lauchblätter (fein geschnitten, blanchiert)
1/2 kleiner Apfel (fein gewürfelt, blanchiert)
1/2 kleine festfleischige Birne (fein gewürfelt, blanchiert)
1 kleine Hand voll blaue, kernlose Trauben (feine Scheiben)
1 TL frischer Meerrettich (gerieben)
Einige Stiele glatte Petersilie (fein gehackt)
Einige Petersilienblättchen (zur Dekoration)

Tipp

Sowohl unser selbstgemachter als auch im Bioladen gekaufter Tofu erfahren bei mir immer eine Basisbehandlung. Nämlich diejenige, der „Trockenlegung“. Es steht allen Gerichten gut zu Gesicht, wenn der Tofu nicht zu feucht ist. Die Scheiben zwischen mehrere Lagen Küchenkrepp geben und z. B. mit einem Holz-Schneidebrett beschweren. Nach 10 bis 15 Minuten Küchenkrepp erneuern. Die Prozedur 3 bis 4 Mal wiederholen.

Diese Seite wurde zuletzt am 01.12.2019 um 16:17 Uhr aktualisiert.

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