Tagliata auf gepickelten Wurzelgemüsen

Steckrübe-Rosenkohl-Curry mit Butter Chicken

21. April 2026

Eine „Tagliata“ ist ein tranchiertes Steak. Der Klassiker der italienischen Küche hat seine Wurzeln in der Toskana. Glühende Hitze beim Anbraten verleiht dem Fleisch hocharomatische Röstaromen. Im Inneren bleibt es rosa und äußerst saftig. Bis hierhin folge ich der Definition. Doch gehe ich außerhalb der Rucola-Tomaten-Saison eigene kulinarische Wege und nehme Abstand von den klassischen Begleitern. Bei mir betreten Wurzelgemüse samt kräftigem Meerrettich die Bühne. Eine Variation, die ebenfalls begeistern kann!

In der Regel ist unüblich, ein Steak vor dem Servieren zu tranchieren. Die „Tagliata di manzo“ wurde erfunden, weil ein gewaltiges „Bistecca alla fiorentina“ für gewöhnlich nicht von einer Person alleine zu bewältigen ist. Der italienische Sternekoch Sergio Lorenzi soll in den Siebzigern der Erste gewesen sein, der seinen Gästen ein solch amtliches Fleischstück – in Tranchen geschnitten – präsentiert hat. Er ging damit in die Geschichte ein. Im Grunde verbirgt sich hinter dieser ungewöhnlichen Art der Präsentation also eine Erfolgsstrategie: Zum Einen bleibt ein großes, dickes Steak beim Grillen saftiger, als ein portioniertes, kleineres Stück. Gleichzeitig haben mehrere Menschen Freude daran, denn das Erlebnis des Teilens bei Tisch wird von den Beteiligten als beglückend empfunden.

Teile und speise

Insbesondere der Gedanke des Teilens ist für mich bestechend. Hinzu kommt aus meiner Sicht der wichtige Aspekt beim eleganten „Verlängern“ der Fleischmenge: Wird das Steak aufgeschnitten, ergeben sich daraus kleinere und somit mehrere Portionen. Das kommt mir sehr entgegen, denn ich liebe dimensionierte, überschaubare Fleischportionen. Ein Steak bestelle ich mir so gut wie nie. Auch deswegen, weil mir das Steak an sich zu langweilig ist. Ich bevorzuge geschnetzelte Zubereitungsarten, wie beispielsweise bei den Klassikern „Boeuf Stroganoff“ oder „Zürcher Geschnetzeltes“. Außerdem jede Form von Fleisch aus dem Wok mit asiatischen Anklängen. Mein kulinarischer Fokus liegt in erster Linie auf Aroma und Genuss, nicht auf der Menge.

Smith & Wollensky, New York

Große Nummer in New York

Mir kommen die gewaltigen „Porterhouse“-Steaks in den Sinn, die ich vor Jahren erstmals in New-Yorks legendärem Steak-Restaurant Smith & Wollensky sah. Sie trieben mir eine Mischung von ungläubigem Staunen und Angstschweiß auf die Stirn. Ich fragte mich ernsthaft, ob man so einen Fleischberg bezwingen könne, und sah meine Frage bei anderen Speisenden umgehend mit „und ob!“ beantwortet. Bemerkenswert dabei war die Geschwindigkeit, mit der die Mega-Steaks“ verzehrt wurden. Was womöglich der Tatsache geschuldet war, dass bereits vor der Pandemie die Verweildauer an den Tischen exakt getaktet war. Wie dem auch sei, heute habe ich mich angstfrei dazu entschlossen, meine außergewöhnliche Variante der Tagliata mit meinen Lesenden zu teilen.

Begegnung am Weiderand

Für die original „Tagliata“ werden Chianina-Rinder verwendet. Dieses imposante Rindvieh ist eine lebende Legende. Mit einer Risthöhe von bis über 1,80 Meter und einem Gewicht von mehr als 1.500 Kilo darf man den Begriff „beeindruckend“ ohne Übertreibung wählen. Den Tieren wird wegen ihrer Erscheinung das Prädikat „majestätisch“ verliehen. Wegen ihres geschmeidigen Gangs erhalten sie zudem die Attribute „filigran“ und „elegant“. Eine sehr alte, archaisch anmutende Rinderrasse. Würde man während einer Wanderung am Weiderand dieser makellos reinweißen Kreatur begegnen, wäre das ein ganz besonderes Erlebnis: Selfie vom „Porzellan-Rind“ unbedingt, aber bitte mit Sicherheitsabstand 😉!

Chianinarinder auf einer Wiese

Volltreffer mit Wurzeln

Der deutsche Klassiker „Roastbeef“ kann als Artverwandter der Tagliata durchgehen. Allerdings wird dieses medium gebratene Rückenstück mit Bratkartoffeln serviert, was kein Schaden ist. Doch mag ich das rosa Fleisch nicht kalt essen, zudem es ihm an den bestechenden Röstaromen der Tagliata mangelt. Im Vergleich wirkt der schmächtige Roastbeef-Aufschnitt eher kraftlos. Die Scheibchen müssen sich schon an einer kräftigen Remoulade aufrichten!

Aus meiner Sicht ist die heute von mir präsentierte Variante der Tagliata ein Volltreffer, denn er vereint die Eigenschaft herrlicher Steakstreifen mit einem Bouquet von oft unterschätzten Wurzelgemüsen. Ich setze Steckrübe, Sellerie, Möhre, Rote Bete, Petersilienwurzel und Rettich ein. Die Gemüse ergänze ich mit cremiger Miso-Meerrettich-Mayonnaise und toppe sie mit einem Petersilien-Liebstöckel-Pesto.

Tagliata mit Wurzelgemüsen

Meine Idee ist es, jahreszeitliches Gemüse auf eine reizvolle Art zu servieren. Daher mache ich mir die Mühe, mit meinem frisch geschärften Messer in kontemplativer Ruhe gleichmäßige dünne Streifen zu schneiden. Der Fachmann spricht von „Julienne“. Ich bin in dieser Hinsicht leicht verrückt, denn ich liebe solche ruhig und präzise durchgeführten Arbeiten!

Die Kombination von Fleisch und Gemüsen orientiert sich jahreszeitlich, ist elegant, überraschend und, was nicht zu verachten ist, äußerst gesund. Nun fehlt noch ein Schluck gepflegter Chianti Classico, und das Rezept tut Gesundheit und Seele wohl! Zum italienischen Gericht mit italienischem Wein stilecht ein italienischer Trinkspruch: „Il buon vino fa buon sangue."

  1. Sud zum Pickeln aufkochen. Beiseiteziehen. Ziehen lassen, durch ein Sieb passieren.
  2. Alle Gemüse in feine Stifte schneiden oder hobeln.
  3. Sud erneut erhitzen.
  4. Sellerie, Steckrübe, Möhre und Petersilienwurzel damit übergießen.
  5. Rote Bete separat pickeln
  6. Ziehen lassen. Auf einem Sieb abtropfen.
  7. Rettich wird nicht gepickelt, sondern nur mariniert.
  8. Gemüse in der Marinade durchziehen lassen.
  9. Zutaten für das Pesto pürieren.
  10. Mayonnaise anrühren.
  11. Fleisch scharf anbraten, im Backofen garziehen.
  12. Gemüse auf eine Platte geben, Fleisch in Tranchen schneiden. Servieren.
Ein saftiges Steak in Tranchen ist zur Abwechslung einmal nicht auf Rucola und Tomaten gebettet. Gepickelte Wurzelgemüse samt Roter Bete und knackigem Rettich sind eine charmante Alternative. Pesto erinnert an Italien, Meerrettich-Mayonnaise steuere ich aus heimischen Gefilden bei. Eine „fusionierte“ Kombination von Bewährtem, Köstlichem und Gesundem!

Aus den angegebenen Zutaten den Sud zum Pickeln aufkochen. Beiseiteziehen. 1 Stunde ziehen lassen, durch ein Sieb passieren.

Alle Gemüse in feine Stifte schneiden oder mit dem Julienne-Aufsatz der Mandoline hobeln. Den Sud erneut erhitzen. Sellerie, Steckrübe, Möhre und Petersilienwurzel damit übergießen. Rote Bete separat pickeln, damit sie die anderen Gemüse nicht verfärbt. Mindestens 2 Stunden ziehen lassen. Auf einem Sieb abtropfen. Der Rettich wird nicht gepickelt, sondern nur mariniert, damit er knackig bleibt.

Die gepickelten Gemüsestifte und den Rettich im Dressing aus Essig, Fond, Honig, Senf und Öl mindestens eine Stunde marinieren. Dabei die Bete wiederum separat marinieren.

Die Zutaten für das Pesto im Mixer pürieren, dabei so viel Brühe angießen, dass die Masse nicht zu dicklich wird. Bitte nach persönlichem Geschmack vorgehen! Mit Salz und Zitronenabrieb abschmecken. Kalt stellen. Die Mayonnaise mit Meerrettich, Misopaste, Zitronensaft und Tabasco abschmecken. Ebenfalls kalt stellen.

Das Steak gute 2 Stunden vor dem Braten aus dem Kühlschrank nehmen, damit es sich auf Zimmertemperatur erwärmt. 5 Minuten vor dem Anbraten von beiden Seiten kräftig salzen. In einer Edelstahlpfanne im Butterschmalz sehr heiß und kurz auf beiden Seiten und möglichst auch auf den Kanten anbraten. Im auf 120 °C vorgeheizten Backofen auf dem Rost gar ziehen lassen. Die Kerntemperatur liegt dabei bei 54 °C, dann ist das Fleisch noch sehr rosa und für Tagliata ideal. Kurz vor dem Servieren pfeffern.

Die marinierten Gemüse als Bett auf eine Platte geben. Frühlingslauch darüber streuen. Das tranchierte Fleisch darauf anrichten. Mit etwas Pesto und einigen Tupfen Mayonnaise ausgarnieren. Restliches Pesto und restliche Mayonnaise separat dazu servieren.

Dazu passen knusprige Kartoffelchips.

(Zutaten für 2 Portionen)

Hinweis: kleine Fleischportion, große Gemüseportion

Menge Zutat
300 bis 350 g Roastbeef (gute Qualität, abgehangen)
4 EL Butterschmalz
  Pfeffer aus der Mühle (z. B. „Mélange noir“)
  Wurzelgemüse
100 g Knollensellerie
100 g Möhren
100 g Petersilienwurzel
100 g Steckrübe
100 g Rote Bete
100 g Rettich (feine Stifte, roh)
4 Stangen Frühlingslauch (in schräge Ringe geschnitten)
  Pickelsud
½ Tasse milder Weißweinessig
½ Tasse Wasser
4 EL Zucker
6 Kardamomkapseln (aufgebrochen)
1 EL schwarze Pfefferkörner
2 TL Senfkörner
2 Sternanis
1 Chilischote
  Salz
  Salatdressing
4 bis 6 EL milder Weißweinessig
4 bis 6 EL Geflügelfond
2 EL Honig
2 TL Dijonsenf
8 EL mildes Olivenöl
  Pesto
2 Hand voll gemischte Kräuter (z. B. Petersilie, Basilikum, Liebstöckel)
1 Hand voll Mandeln (geschält, geröstet)
½ Tasse Rapsöl
1 Schuss mildes Olivenöl
½ Tasse Geflügelbrühe
1 Bio-Zitrone
2 Zehen junger Knoblauch
  Mayonnaise
6 EL Mayonnaise (beste Qualität)
1 EL helle Misopaste
2 TL geriebener Meerrettich (Glas)
1 Bio-Zitrone
2 Spritzer heller Tabasco
  Salz, Pfeffer

Diese Seite wurde zuletzt am 21.04.2026 um 21:56 Uhr aktualisiert.

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