Steckrübe-Rosenkohl-Curry mit Butter Chicken
12. März 2026
Die Steckrübe trägt in Ansätzen das Erbe ihrer Kohl-Familie in sich, insbesondere steht sie in naher Beziehung zum Kohlrabi. Beide sind, was das „Kohlige“ angeht, sehr zurückhaltend. Das triste Nachkriegs-Image hat die Steckrübe nach langem Ringen abgeschüttelt. Ihre Beharrlichkeit hat sich ausgezahlt und man begegnet ihr nunmehr mit Offenheit, manchmal gar mit Neugier. Dass es sich lohnt, sich mit ihren Charaktereigenschaften zu befassen und sie neu zu interpretieren, hat sich längst herumgesprochen. Nicht nur kulinarisch hat sie etwas zu bieten: Die ihr innewohnenden Senföle sind der Gesundheit äußerst zuträglich. Sie wirken antientzündlich und antimikrobiell, das heißt, sie bekämpfen Bakterien und Viren. Reichlich Kalium und Magnesium hat die Rübe im Gepäck, außerdem wichtige Vitamine, darunter Folsäure. Sie ist kalorienarm und ballaststoffreich. Doch überzeugt sie allen anderen Vorteilen voran durch ihren Beitrag zur Kulinarik.
Vegetarisches Koop-Modell
Nussigkeit, leichte Schärfe und ein Hauch Süße zeichnen die Steckrübe aus. Sie hat einen sanften Charakter. Eine beachtliche Performance legt sie als Süppchen oder cremiges Püree hin, denen sie eine appetitliche, sanft gelbe Farbe verleiht. In Eintöpfen punktet sie durch ihre große Kooperationsbereitschaft mit anderen Wurzelgemüsen. Ihr erdiger Grundton versteht sich hervorragend mit Äpfeln, Birnen und Quitten, aber auch Zitrusfrüchten. Süßsaure Fruchtkomponenten verleihen der Steckrübe Leichtigkeit. Selbst exotischen Gewürzen begegnet sie unerschrocken. Ich bringe sie gerne mit Curry, Ingwer und Kurkuma, gelegentlich Zimt oder Ras el Hanout, aber auch mit Chili oder Piment d’Espelette zusammen. Sahne, Kokosmilch oder Butter beflügeln sie. Wird sie gekonnt behandelt, legt sie Raffinesse an den Tag und läuft zu Hochtouren auf. Ich finde, sie hat Anspruch auf kulinarische Beachtung 💖!
Das kleine und das große Runde
Der Rosenkohl ist ein „Bruder im Leid“, denn auch er erntet nicht uneingeschränkt Anerkennung. Heute kann er im Einklang mit der Rübe punkten. Als Dream-Team erweisen sich die beiden in meinem Curry. Seite an Seite rücken sie in ein zeitgemäßes Rampenlicht. Geben genussfreudig Mutige den knackig grünen Röschen erst einmal eine Chance, treten sie rasch aus ihrer leicht biederen und muffigen Ecke heraus. Die „Rosenköhlchen“, auch „Brüsseler Kohl“ oder „Kohlsprosse“, danken es, wenn man ihnen die nötige Zuwendung schenkt. Sind sie erst einmal geputzt und stehen makellos und bildschön zum Einsatz parat, kommt es auf die geeignete Behandlung an. Die unbeliebten Kohlaromen entfleuchen zum Beispiel nur durch ausgiebiges Kochen in Wasser.
Im Ofen gebacken oder in der Pfanne geröstet verdirbt der Rosenkohl die Stimmung nicht durch üble Gerüche. Beim Rösten entsteht eine duftende Kruste, die Köstliches erwarten lässt. Die berühmte „Maillard-Reaktion“ ist umwerfend, wann immer sie in Bräunungsprozessen am Herd entsteht. Sie ist ganz einfach zu erklären: Wenn eine Verbindung aus Eiweiß und Zucker ordentlich Hitze bekommt, entwickelt sie Bräune, verführerischen Duft und unfassbaren Geschmack. Man kennt ihn vom Anbraten von Fleisch oder vom Brotbacken. Wer liebt nicht den Duft von gebräunter Butter? Spontan läuft einem das Wasser im Mund zusammen. Man stelle sich vor, welch umwerfender Duft sich beim Schmoren des heutigen Miso-Rosenkohls entwickelt 💖!
Hühnchen, butterzart und butterweich
Heute finden sich Steckrübe und Rosenkohl also zu einem cremigen Curry zusammen. Als Krönung gesellt sich bei mir „Butter Chicken“ dazu und diese als schicksalhaft zu bezeichnende Verbindung empfehle ich aus ganzem Herzen. Klassisches „Butter Chicken“ ist im Grunde eine simple Rezeptur, die nachweislich aus Indien stammt. Hühnchen wird in Joghurt eingelegt und dadurch herrlich mürbe. Man serviert es in einer cremigen Sauce, die oft aus Tomaten und Sahne besteht. Das „Butter Chicken“ wird in seiner indischen Heimat „Murgh Makhani“ genannt: „Murgh“ bedeutet Huhn, „Makhani“ bedeutet buttrig, sahnig, zart. Schon der Name verspricht Wonnen! Die Rezeptur für mein köstliches, saftiges Huhn ist etwas abgewandelt, doch perfekt. Mein Hühnchen wird zunächst in aromatisierter Brühe gegart, was zudem noch einen wundervollen Fond ergibt. Erst am Ende wird das Hühnchen glasiert und knusprig übergrillt.
In meiner Rezeptur gelingt das Zusammenspiel von Curry und Hühnchen in Perfektion. Das Curry allein ist schon eine glänzende Komposition von nussiger Steckrübe, mildem Lauch und verbindender Kartoffel, die das Gericht abrundet. Der Miso-Rosenkohl steuert Umami bei und ermöglicht das Erreichen einer höheren Dimension. Im Grunde besteht das Gericht aus bodenständigen Zutaten, doch kulinarisch beschert diese außergewöhnliche Kombination mit dem spicy Huhn eine Offenbarung 🤔💕!
Das Butter Chicken
- Sud aus aromatisiertem Hühnerfond herstellen.
- Hühnerkeulen leise im gewürzten Sud garen.
- Keulen entbeinen.
- Haut glasieren.
- Hühnerkeulen knusprig backen.
Das Steckrüben-Curry
- Gemüse vorbereiten und anschwitzen.
- Aus Fond, Kokosmilch mit Aromaten Curry-Ansatz herstellen.
- Curry mit Gemüse langsam schmoren.
- Curry mit Miso-Rosenkohl und Hühnchen servieren.
Der Miso-Rosenkohl
- Rosenkohl kurz blanchieren.
- Mit Miso-Fond schmoren.
Das Butter Chicken
Für den Sud Hühner-Fond wie folgt aromatisieren: Die Kardamom-Kapseln längs aufschlitzen, Wacholderbeeren mit einem Messer leicht andrücken. Kardamom, Wacholder, Piment und Pfeffer in einen Teebeutel füllen. Zitronengras mit einem Messerrücken leicht aufklopfen. Teebeutel, Zitronengras, Lorbeerblätter und Kaffir-Limettenblätter in den Fond geben. Hühnerkeulen einlegen und 45 Minuten im Sud leise sieden. Sie sollen nicht weich gekocht, nur gerade so durchgegart sein, da sie später zum Bräunen noch Oberhitze bekommen. Keulen entnehmen. Sud um die Hälfte einkochen, Aromaten entfernen, und den nun kräftig aromatisierten Sud für das Curry verwenden.
Hühnerkeulen vorsichtig entbeinen, so dass sie am Stück bleiben und die Haut möglichst nicht durchtrennt wird. Mit der Haut nach oben flach in die Auflaufform legen. Die Hautseite mit der Glasur einpinseln. Auf der mittleren Schiene im auf 220 °C vorgeheizten Backofen mit der Grillfunktion backen, bis die Haut knusprig ist.
Das Steckrüben-Curry
Steckrübe, Kartoffeln und Möhren mittelfein würfeln. Von der Lauchstange das obere Dunkelgrüne entfernen. Den hellgrünen Teil und den weißen Abschnitt in ca. 1 cm breite Ringe schneiden. Die hellgrünen Ringe kurz in Salzwasser blanchieren, damit sie die Farbe behalten.
Steckrübe, Kartoffeln, Möhren und helle Lauchringe in Rapsöl mild anschwitzen. Mit Kokosmilch und Geflügelbrühe aufgießen. Zitronengras, Ingwer und Knoblauch sowie Koriander und Kreuzkümmel hinzufügen. Leise für mindestens 30 Minuten einköcheln lassen. Kurz vor dem Servieren Erbsen, Spinat, blanchierte Lauchringe und Chilischote ins Curry geben, einige Minuten mitziehen lassen. Abschmecken, gegebenenfalls nachsalzen.
Der Miso-Rosenkohl
Rosenkohl putzen und halbieren. In reichlich gesalzenem Wasser 2 Minuten blanchieren. Kalt abschrecken, damit er leuchtend grün bleibt. Abtropfen lassen. Rosenkohl-Hälften mit der Schnittfläche nach unten in eine flache Pfanne legen. Hühnerfond, Misopaste, Sojasauce, Teriyakisauce, einige Spritzer Limettensaft und geriebenen Ingwer verrühren. Zu dem Rosenkohl auf den Pfannenboden träufeln und 10 bis 15 Minuten offen schmurgeln. Wer den Rosenkohl weicher möchte, gibt ihm einige Minuten mehr in der Pfanne. Beiseite ziehen und mit dem gerösteten Sesamöl parfümieren.
Curry in tiefen Tellern oder flachen Schüsseln anrichten. Mittig den Miso-Rosenkohl platzieren. Das Hühnchen in Tranchen schneiden und aufsetzen. Mit Sesam, Mandeln, Korianderblättchen und Limettenspalten garnieren.
Das Butter Chicken
(Zutaten für 2 Portionen)
| Menge | Zutat |
|---|---|
| 2 | Bio-Hühnerkeulen |
| 300 ml | Hühnerfond (aus dem Vorrat oder Bio-Qualität) |
| 2 bis 3 frische | Lorbeerblätter |
| 6 | Wacholderbeeren |
| 6 | Pimentbeeren |
| 6 | schwarze Pfefferkörner |
| 3 | Kardamom-Kapseln |
| 2 Stängel | Zitronengras |
| 8 | Kaffir-Limettenblätter |
| Salz | |
| Für die Glasur | |
| 4 EL | Olivenöl |
| ½ TL | Garam Masala |
| 2 | Knoblauchzehen (gerieben) |
| 2 cm | Ingwer (gerieben) |
| 1 EL | Honig |
Das Steckrüben-Curry
| Menge | Zutat |
|---|---|
| 1 mittelgroße | Steckrübe |
| 2 mittelgroße | Möhren |
| 1 kleine Stange | Lauch |
| 2 mittelgroße | Kartoffeln |
| 3 EL | Rapsöl |
| 200 ml | Geflügelfond (s. o.) |
| 200 ml | Kokosmilch |
| 2 | junge Knoblauchzehen (fein geschnitten) |
| 1 TL | Koriandersaat (gemörsert) |
| 1 TL | Kreuzkümmelsaat (gemörsert) |
| 2 Stiele | Zitronengras (das Innere sehr fein geschnitten) |
| 2 cm | Ingwerwurzel (sehr fein gewürfelt) |
| 1 | Chilischote (entkernt, fein geschnitten) |
| 1 Hand voll | Babyspinat |
| 1 Hand voll | Erbsen (TK) |
| 1 | Bio-Limette |
| 1 Hand voll | geröstete Mandeln (grob gehackt) |
Der Miso-Rosenkohl
| Menge | Zutat |
|---|---|
| 180 bis 200 g | Rosenkohl |
| 3 EL | Rapsöl (alternativ Sonnenblumenöl) |
| 4 EL | Hühnerfond (s. o.) |
| 1 Daumen großes Stück | Ingwer (gerieben) |
| 1 TL | helle Misopaste |
| 2 EL | Sojasauce |
| 2 EL | Teriyaki Sauce |
| 1 | Bio-Limette |
| 1 bis 2 TL | geröstetes Sesamöl |