Linsen-Safranschecke mit Rote Bete-Glasnudeln

Linsen-Safranschecke mit Rote Bete-Glasnudeln

16. September 2016

Mir war am Wochenende nach Linsen. Trotz der hochsommerlichen Temperaturen habe ich meiner Linsen-Leidenschaft nachgegeben. In diesem Falle habe ich mich für die putzigen braunen Berglinsen entschieden, weil ich ihren nussigen Geschmack besonders mag. Da ich gerne zwei Fliegen mit einer Klappe schlage, kochte ich am Freitagabend eine stattliche Portion schönen Linseneintopf. Viel Suppengemüse habe ich gleichmäßig und sehr fein geschnitten. Dazu eine schöne „Abendmusik“ im Radio gehört. Ein kleines Schlückchen Küchenwein genippt. Das war der meditative Part, der mir persönlich beim Kochen immer große Entspannung beschert.

Später dann, wenn die Röstaromen in die Luft steigen, beginnt die Phase der Vorfreude. Dieser typische Duft von Röstgemüse, Linsen, frischem Lorbeer, Piment und Wacholder ist schon herrlich. An diesem Abend also gab es einen Linseneintopf. Jedoch mit Blick auf die Urlaubsfigur, die noch nicht ganz erreicht war, ohne Mehlschwitze. Auf die lege ich ansonsten bei einem klassischen Linseneintopf großen Wert. Und zwar mit Räucherspeck. Und Rindswürstchen in der Suppe. Aus dem vorhin genannten Grund bin ich diesmal auf Würfelchen vom Kassler ausgewichen. Auch lecker, nicht so kalorienhaltig, aber geschmacklich nicht ganz Das Gleiche. Außerdem der obligatorische Schuss Essig. Der durfte rein, denn der macht ja bekanntlich schlank, vor allem, wenn er in hohen Mengen konsumiert wird. Wie die Fräuleins von früher wird man dadurch zwar etwas blutleer, behält jedoch eine zierliche Taille. Heute kein Baguette zum Eintopf. Die schlimmen, bösen Kohlenhydrate. Es geht auch mal ohne! Aber ein paar Kartoffelwürfelchen, da bestand ich drauf!

Für den nächsten Tag plante ich eine weitere Leckerei mit Linsen. Ich wusste noch nicht genau, was ich anstellen würde und überlegte so hin und her. Es sollten mal keine Buletten aber auch kein Dal werden. Auch kein Linsensalat. Da fiel mir mehr oder weniger zufällig ein Rezept für eine „Eierschecke“ in die Hände. Eine Blechkuchenspezialität aus Sachsen und Thüringen. Mein Interesse galt in erster Linie dem lustigen Namen. Die Herleitung schien mir dann aber nicht ganz so originell. Als „Schecke“ bezeichnete man im 14. Jahrhundert eine Männerbekleidung für die Körpermitte, die aus drei Lagen bestand. Eine Art oberem und unterem Leibrock mit Hüftgürtel. Daher die Idee zu dem dreilagigen Kuchen. Sofort keimte bei mir die Befürchtung auf, dass nach reichlichem Genuss des doch recht mastigen Kuchens der Hüftgürtel schließlich in vielen Fällen auseinanderbarst! Könnte so ein Zusammenhang zwischen Kuchen und Kleidungsstück ausgesehen haben? Der Name gewissermaßen als Warnung vor übermäßigem Konsum?

Ein solcher Kuchen muss doch nicht zwangsläufig süß sein, dachte ich. Auch einen deftigen Belag konnte man schön saftig mit einem Eierguss krönen. Die süße Schecke hat nach einigen Rezepten einen Rühr- oder Hefeteig als Boden. Es gibt aber auch Rezepturen, bei denen es keinen Boden gibt. Im Falle der Linsenfüllung kann man auf den Boden verzichten. Ein salziger Mürbeteig, den ich beim nächsten Mal darunter geben werde, würde dem Gebilde jedoch  mehr Stabilität verleihen. Und geschmacklich kommt der buttrige Teig ja immer nach ganz weit vorne. Bringt jedoch einige Kalorien mehr ins Spiel. Man kann nicht alles haben!

Ich gab eine schöne Portion Linsen und Gemüse auf ein Sieb und beschwerte sie mit einem schweren Töpfchen, damit sie abtropfen konnten. Für den Linsenbelag meiner Schecke durften sie nicht zu nass sein. Die austretende Brühe nicht wegschütten. Sie wird am nächsten Morgen als gesunder „Starter“ in den Tag getrunken! Nun die Masse mit einigen Rote Beten-Würfelchen, einer guten Portion gemahlenen, vorher gerösteten Mandelblättchen, Panko-Bröseln und Eiern für eine gute Bindung mischen und beherzt abwürzen. Ein Muss ist in diesem Fall Ingwer, feinstes Curry und eine extra Portion Kreuzkümmel. Ein grünes Kraut, z. B. Koriander kann auch nicht schaden. Leider hatte ich keines greifbar.

Die Besonderheit an meinem Eierguss war die Zugabe von Safran. Dadurch ist der herrlich gelbe Farbton entstanden und der Guss hat nach dem unnachahmlichen Safranaroma geschmeckt. Hierbei ist es wichtig, nicht zu viel Safran zu verwenden, denn der Geschmack kann ins Bittere kippen und aufdringlich werden.

Dazu die Glasnudeln, die ich in Rote Bete-Saft gegart und gefärbt hatte. Schön vermischt mit knallgrünen Erbsenschoten und reichlich gerösteten Pinienkerne. Mit einem Kräuterblättchen hätte es noch ein schöneres Bild gegeben. Aber ich finde die Kombination auch so atemberaubend.

Ich komme immer mehr in die Richtung, den farblichen Aspekten von Gerichten einen hohen Stellenwert beizumessen. Vielleicht kommt das durch meine zweite Leidenschaft, das Malen. Wenn etwas lecker schmeckt und einen dazu im wahrsten Sinne des Wortes anlacht, können die Sinne schwelgen!

 

Der Linsenbelag

  1. Alle Zutaten miteinander vermengen. Beherzt würzen.
  2. Backform ausbuttern und mit Backpapier ausschlagen.
  3. Im vorgeheizten Ofen und 10 Minuten backen, dann Eierguss auftragen.
  4. Ohne den Guss zu bräunen, fertig backen.

Der Safran-Eierguss

  1. Safran in Wasser auflösen.
  2. Alle Zutaten im Rührbecher miteinander verquirlen und mit Zitronen-Abrieb und Chilisalz vermischen.

Die Glasnudeln

  1. Glasnudeln in Rote Bete-Saft einweichen.
  2. Nulden in ein Sieb geben, Saft auffangen und unter Beigabe von Zucker, Salz und Vanille erhitzen. Über die Nudeln geben und ziehen lassen. Abtropfen lassen.
  3. Erbsenschoten in Rauten schneiden  und in Butter anschwenken.
  4. Nudeln und Pinienkerne dazugeben und durchschwenken.

Der Linsenbelag

Alle Zutaten miteinander vermengen. Dabei mit der Beigabe von Panko-Bröseln und Mandeln schrittweise vorgehen, damit die Masse nicht zu trocken wird. Sie kann ruhig beherzt gewürzt werden, denn der Eierguss ist eher milde.

Eine Backform mit herausnehmbarem Boden leicht ausbuttern und mit Backpapier ausschlagen. So lässt sich die Schecke später besser herausheben. Die Form kommt in den auf 180 Grad vorgeheizten Ofen und darf sich erst einmal 10 Minuten aufwärmen. Erst dann kommt der Eierguss obendrauf.

Der Safran-Eierguss

Alle Zutaten im Rührbecher miteinander verquirlen und mit etwas Abrieb von der Bio Zitrone und einer kräftigen Prise Chilisalz vermischen. Wichtig ist es, die Safranfäden vorher in Wasser zu geben, denn in Fett lösen sie sich nicht auf. Der Safranguss soll locker bleiben und von oben her nicht bräunen. Daher kann man auf „Nummer Sicher“ gehen und die Backform zunächst mit etwas Alufolie abdecken. Der Guss soll keine stark dunklen Stellen bekommen. Das würde seiner zarten Schönheit Abbruch tun!

Die Glasnudeln

Die Glasnudeln ungefähr 15 Minuten in dem Rote Bete-Saft einweichen. In ein Sieb geben, den Saft auffangen und unter Beigabe von Zucker, Salz und der Vanille erhitzen. Über die Nudeln geben und wenige Minuten ziehen lassen. Abtropfen lassen. Die Erbsenschoten in Rauten schneiden  und in der braunen Butter anschwenken. Die Nudeln und die Pinienkerne dazugeben und durchschwenken. Alles zusammen schön servieren. Dazu passt ein schöner frischer Kopfsalat und ein Glas Pils!

(Für 4 Portionen)

Der Linsenbelag

Menge Zutat
2 Tassen Berglinsen mit Suppengemüse (gegart, abgetropft)
½ Tasse sehr kleine Rote Bete-Würfelchen (roh)
¾ Tasse geröstete, gemahlene Mandelblättchen
¾ Tasse Panko-Brösel, oder selbstgemacht Brösel
1 Ei
2 Eigelb
1 Knoblauchzehe
1 Stück Ingwer
  Curry
  Kreuzkümmel
  Chilisalz

Der Safran-Eierguss

Menge Zutat
1 kleiner Becher Sahne
½ Becher Magerquark
2 EL Crème Fraîche
1 kleines Döschen Safranfäden (in Wasser eingeweicht)
1 Ei
2 Eigelb
1 Bio-Zitrone
  Chilisalz

Die Glasnudeln

Menge Zutat
1 Packung breite Glasnudeln
2 Tassen Rote Bete-Saft
2 EL braune Butter
1 Hand voll geröstete Pinienkerne
2 Hand voll Erbsenschoten
1 Stück Vanilleschote
  Salz
  Zucker

Diese Seite wurde zuletzt am 29.11.2019 um 16:03 Uhr aktualisiert.

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