Gemüse am laufenden Band und hochgestapelt

Gemüse am laufenden Band und hochgestapelt

Gemüse am laufenden Band und hochgestapelt

12. April 2018

Das Leben ist wie ein Wimmelbuch: vielfältig, bunt und wuselig. Wenn man einmal innehält und sich die Szenarien genau betrachtet, kann man allerlei entdecken und die Fantasie spazieren führen. Immer wieder neue Details überraschen einen. Ich habe mir einige dieser überbordenden Kunstwerke ins Erwachsenendasein gerettet und finde noch heute viel Freude beim Betrachten. Eine Art von Meditation, gepaart mit kindlich empfundener Geborgenheit. Die Wimmel-Idee von Ali Mitgutsch möchte ich keineswegs stehlen sondern mich vielmehr aus großer Verbundenheit daran anlehnen.

Heute gibt es einen Teller, auf dem es vor Gemüse und Vitaminen nur so wimmelt: einen supergesunden, schlanken und fröhlichen Wimmelteller eben! Auf diesem Teller tummeln sich Gemüsebandnudeln aus Möhren, Zucchini und den wohl letzten Schwarzwurzeln der Saison. Strahlend weiß und nussig schmeckend. Die Gemüse kurz blanchiert und mit einer lauwarmen Kapernvinaigrette angemacht. Dazu gibt es ein herrlich grünes und leckeres Bärlauchpesto. Neben den Gemüsenudeln wächst ein Capresetürmchen mit ofengeschmorten Auberginen in die Höhe. Sein Innenleben ist von raffinierter Natur, denn statt des normalen Mozzarella bekommt dort geräucherter, also Scamorza, seinen Auftritt. Der Clou an dieser waghalsigen Kreation ist ein Pesto aus fermentiertem schwarzem Knoblauch und Rosenwasser-Harissa. Eine Offenbarung! Ich habe die Idee aus Ottolenghis „Nopi“, das sei der guten Ordnung halber erwähnt. Zum famosen Kochbuch folgt demnächst eine ausgiebige Einlassung smile.

Pieter Bruegel der Ältere - Google Cultural Institute
Das wohl erste Wimmelbild (Pieter Bruegel der Ältere)

Nun geht es darum, den Blick einmal über den Tellerrand schweifen zu lassen. Im Folgenden lasse ich mich dazu verleiten – passend zur Jahreszeit – mein persönliches Frühlings-Wimmelbild zu entwickeln. Die Kunst wird darin bestehen, alles auf ein Blatt zu bekommen! Aber im Gegensatz zum Urtypus des Wimmelbildes, Pieter Bruegels Gemälde „Die niederländischen Sprichwörter“, hat mein behagliches Gedankengebilde nichts mit Boshaftigkeit oder Verrat zu tun. Für so etwas habe ich in meinem Leben keinen Platz. Auf meinem Wimmelbild sieht man ein gemütliches Häuschen mit einem kleinen Vorgarten und einem kleinen Garten dahinter. Im Vorgarten klaubt eine Frau die letzten Laubblätter des Winters auf, damit die Frühblüher mit ihrer strahlenden Schönheit und verheißungsvollen Leuchtkraft voll zur Geltung kommen können.

Im hinteren Teil des Gartens wird unter blühenden Büschen und Sträuchern die Terrasse gewienert und die Gartenmöbel bekommen eine neue Ölschicht. Rundherum singen die gefiederten Freunde aus vollen Kehlchen und fühlen sich vor allen Dingen in den schlanken Ulmen recht wohl. Ein dicker, grau getigerter Kater streicht durch den oberen Gartenabschnitt und erscheint ein wenig mürrisch, weil die Ulmen so hoch sind, und er nicht den Mumm hat, den Vögeln auf den Leib zu rücken. Ihn ignorierend stolzieren riesige schwarze Krähen umher, an die er sich nicht herantraut. Von oben beschimpfen ihn laut keckernd die Elstern. Oder lachen sie ihn gar aus? Unten auf der Terrasse sieht man einen bärtigen Mann mit einem Zollstock und einer Klatte hantieren. Eine erste Ladung Baumaterial wird abgeladen, denn endlich wird im Hof renoviert! Auf der langen Einfahrt neben dem Haus steht ein weiterer Mann mit einer Stielharke und kratzt unermüdlich Moos aus den Ritzen. Der Winter war lang und nass, aber nun hat er verspielt!

Im Häuschen sieht man eine Frau Fenster putzen. Beinahe alle Scheiben von oben nach unten sind schon blitzblank. An einem der Fenster sieht man ein kleines grau-beiges Kätzchen in der Sonne sitzen. Behaglich träumt es vor sich hin. In Wahrheit sitzt es seit ein paar Tagen nun leider nicht mehr dort und wird auch nie wieder dort sitzen. In den Gedanken und den Herzen der Frau und ihres Mannes hat es aber einen Dauerplatz und daher wird es auch in dem persönlichen Frühlingswimmelbild verewigt.

Auf dem Balkon des Hauses sind zahlreiche Kissen und Decken zum Lüften aufgehängt. Vor der Haustüre stapeln sich Gegenstände, Kisten und Tüten. Die Frau hat, als das Wetter noch unwirtlich war, bereits vorgearbeitet. Sie hat Keller, Vorratskammer und Kleiderschrank ausgemistet und nun wird alles dorthin verfrachtet, wo es noch jemand gebrauchen kann. Die Frau mistet furchtbar gerne aus, weil ihr das ein gutes Gefühl beschert: Sie wirft Ballast ab und kann anderen damit noch eine Freude machen. Sie räumt gerne mit viel Elan auf und um. Und doch ist sie stets am Suchen, weil die neuen Plätze noch nicht geläufig sind. Dann rauft sie sich die Haare oder zetert, und der beste aller Ehemänner lässt es über sich ergehen und hilft beim Suchen .

Vor dem Haus sieht man zwei Transporter einer Heinzungsfirma stehen und mehrere Männer wuseln drei Tage lang von drinnen nach draußen und umgekehrt. Auch der Keller wirft Ballast ab und bekommt einen nigelnagelneuen Heizungsofen der von nun an solide und ganz leise vor sich hin faucht und die Bewohner des Hauses zuverlässig mit Wärme und warmen Wasser versorgt. Auf der Straße steht der Pritschenwagen eines Schrotthändlers, der den alten Plunder gerne mitnimmt. Der Hausherr steht daneben und macht ein letztes Foto von der alten Heizung. Besonders den roten Störknopf hat er im Visier, denn der hatte ihn in letzter Zeit in regelmäßiger Folge zum Verzweifeln gebracht.

Heizungs-Störknopf
Jukebox: Heizungs-Störknopf

In der Nähe des Häuschens gibt es ein großes ungenutztes Feld, auf dem saftiger Löwenzahn wächst. Regelmäßig sieht man die Frau dort mit einem Korb und einem kleinen Messer bewaffnet in gebückter Haltung planvoll das Feld durchqueren. Sie sammelt Löwenzahn. Das tat sie schon, als sie noch ein Kind war, denn in dem kleinen Land, in dem sie lebt, liebt man Löwenzahnsalat. Wenn sie das Feld durchquert hat, richtet sie sich auf und geht in das angrenzende lichte Wäldchen. Immer der Nase nach, dorthin, wo es kräftig nach Knoblauch duftet. Dort hält sie erneut inne, geht hier und da in die Hocke und sammelt schlanke, grüne Blätter ein: Bärlauch. Immer schön einzelne Blätter, damit sich der Bestand weiter ausbreiten kann. Auf dem Weg nachhause schneidet sich die Frau noch einige Zweige ab, die mit ihren Blüten den Frühling ins Haus bringen würden.

So oft es geht, schlüpft die Frau in ihre Laufschuhe und trabt gemütlich aber beschwingt eine Runde durch Wald und Feld. So tut sie etwas für Gesundheit, Figur und Seele und kann die überschüssigen Kräfte abbauen, die der Frühling ja nun auch beschert. Ihr zumindest. Andere klagen über die Folgen der Zeitumstellung und über Frühjahrsmüdigkeit. Als die Frau unterwegs eine Bekannte trifft, lobt sie freudig das prächtige Wetter. Die Bekannte entgegnet skeptisch, man müsse erst einmal abwarten, wie lange sich das halte. Demnächst würde möglicherweise der Winter noch einmal zurückkommen. Alles, was nun blüht, würde dann erfrieren! Die Frau rennt etwas schneller weiter, um dem miesen Karma zu entkommen. Bis zum nächsten Tief freut sie sich über das Hoch! Wissend, dass im Falle gelegentlich auftretender Turbulenzen oder trauriger Ereignisse, die sich im persönlichen Wimmelbuch ereignen können, das Leben über kurz oder lang schon alles wieder richtet. Die Bildunterschrift heißt: „Leben im Hier und Jetzt“.

Schwarzwurzeln
Schwarzwurzeln

Zuhause sieht man die Frau dann in der Küche werkeln. Das tut sie beinahe jeden Tag, doch heute wird sie auch hier ganz bewusst den Frühling Einzug halten lassen. Sie nimmt noch einmal einige Wurzelgemüse her, allen voran Schwarzwurzeln, und legt sich einen frischen, jungen Spitzkohl bereit. Aus diesen Zutaten sollte es einen Gemüsesalat geben, die Wurzelgemüse in Streifen gehobelt, damit sie den Eindruck erwecken, als handele es sich um Pasta. Gerade so trendy wie crafty! Auf Deutsch: Es ist schick und hilfttongue-out . Der schönen Farbe wegen sollten Möhren und Zucchini in dieser Komposition nicht fehlen! Daneben baut sie Auberginen, Tomaten und Scamorza auf und wird daraus besagtes Caprese-Türmchen bauen, das die Vorfreude auf die sonnige Jahreszeit verkörpert. So entsteht der heutige Wimmelteller. Gesund, köstlich, schön anzuschauen und gut zur Figur. Die Frau ist ein ernsthafter Mensch und versteigt sich jetzt nicht in die vorhersehbare Plattheit, „Fröhliches Wimmeln“ zu wünschen embarassed.

Der Gemüsesalat

  1. Zucchini und Möhre auf der Mandoline in feine Scheiben schneiden.
  2. Schwarzwurzeln unter fließendem Wasser abbürsten. Anschließend mit dem Sparschäler sauber schälen
  3. Milch in einer Form bereitstellen, und die Wurzeln nach dem Schälen sofort darin einlegen.
  4. Wurzeln mit dem Sparschäler in feine Bänder hobeln und sofort in die Milch zurückgeben.
  5. Zucchini mit Salz vermengen und stehen lassen.
  6. Mit kochendem Wasser überbrühen.
  7. Auf ein Sieb geben und kalt abspülen. Abtropfen lassen.
  8. Möhre und Schwarzwurzeln in Salzwasser blanchieren und kalt abschrecken. Abtropfen lassen.
  9. Spitzkohl in feine Streifen schneiden, blanchieren, abschrecken, abtropfen lassen.
  10. Für die Vinaigrette Gemüsebrühe und Essig erwärmen.
  11. Mit Senf, Salz, Pfeffer und Zucker verrühren.
  12. Kapern mit einem Teil der Einlegeflüssigkeit dazugeben.
  13. Warme Vinaigrette über die  Gemüse geben und marinieren.
  14. Mit Kapernäpfeln dekorieren.

Das Auberginen-Türmchen

  1. Aus der Aubergine Scheiben schneiden. Salz darüber geben und warten, bis sich Flüssigkeit bildet.
  2. Auberginenscheiben mit Olivenöl einpinseln und in einer Auflaufform im Backofen schmoren. Abkühlen lassen.
  3. Tomaten in Scheiben schneiden.
  4. Scamorza und Zucchini in  Würfelchen schneiden.
  5. Einen Teil der Basilikumblätter grob schneiden und mit Scamorza, Zucchini, Essig, Öl, Pfeffer und Salz vermischen.
  6. Vier Auberginenscheiben zu einem Türmchen bauen.
  7. Zwischen jede Lage kommen Knoblauch-Pesto, Tomatenscheiben und Scamorza-Zucchini-Mischung.

Das Pesto aus schwarzem Knoblauch

  1. Zutaten für das Pesto mixen.
  2. Mit Gemüsebrühe die gewünschte Konsistenz steuern.

Der Gemüsesalat

Zucchini und geschälte Möhre auf der Mandoline der Länge nach in feine Scheiben schneiden. Je nachdem, wie dünn man die Gemüsenudeln haben möchte, schneidet man sie dann mit dem Messer in die passende Form. Die Schwarzwurzeln zunächst unter fließendem Wasser abbürsten, damit der grobe Schmutz entfernt ist. Anschließend mit dem Sparschäler sauber schälen, bis nur noch strahlendweißes Inneres zu sehen ist. Dabei Einmalhandschuhe benutzen, weil die Wurzeln stark kleben und färben. Die Milch in einer flachen Form bereitstellen, und die Wurzeln nach dem Schälen sofort darin einlegen. So bleiben sie weiß. Dann die Wurzeln mit dem Sparschäler zügig in feine Bänder hobeln und sofort nochmal in die Milch zurückgeben.

Die Zucchini mit 1 TL Salz vermengen und 15 Minuten stehen lassen. Dann in einem Topf mit kochendem Wasser überbrühen. Sofort auf ein Sieb geben und kalt abspülen. Abtropfen lassen. Die Möhre und die Schwarzwurzeln in Salzwasser blanchieren und kalt abschrecken. Ebenfalls abtropfen lassen. Den Spitzkohl in feine Streifen schneiden, blanchieren, abschrecken, abtropfen lassen.

Für die Vinaigrette Gemüsebrühe und Essig auf mittlere Temperatur erwärmen. Mit Senf, Salz, Pfeffer und eine Prise Zucker verrühren. Die Kapern mit einem Teil der Einlegeflüssigkeit dazugeben. Die warme Vinaigrette über die abgetropften Gemüse geben und diese darin für 30 Minuten marinieren. Mit den Kapernäpfeln dekorieren. Eventuell noch ein Kräuterblättchen spendieren. Zu den Gemüsenudeln als I-Tüpfelchen ein Bärlauchpesto servieren.

Das Auberginen-Türmchen

Aus der Aubergine acht gleichmäßige Scheiben schneiden. Etwas Salz darüber geben und warten, bis sich Flüssigkeit bildet. Diese mit einem Küchenkrepp abtupfen. Die Auberginenscheiben mit dem Olivenöl von beiden Seiten einpinseln und in einer Auflaufform ca. 30 Minuten im 120 °C heißen Backofen schmoren. Aufpassen, dass sie nicht zerfallen. Abkühlen lassen. Die Tomaten in Scheiben schneiden. Scamorza und Zucchini in sehr feine Würfelchen schneiden. Einen Teil der Basilikumblätter grob schneiden und mit Scamorza, Zucchini, Essig, Öl, Pfeffer und ganz wenig Salz vermischen. Die restlichen Blätter als Dekoration zurückbehalten.

Jeweils vier Auberginenscheiben werden zu einem Türmchen aufgebaut. Zwischen jede Lage kommt etwas Knoblauch-Pesto (siehe weiter unten), Tomatenscheiben und Scamorza-Zucchini-Mischung. Damit auch abschließen und ein schönes Basilikumblatt dazugeben. Von der Pesto noch einige Kleckse um das Türmchen herumgeben. Einige der gehackten Haselnüsse darauf geben.

Das Pesto aus schwarzem Knoblauch

Alle Zutaten für das Pesto mixen, bis eine pastöse Masse entstanden ist. Mit der Gemüsebrühe kann man die gewünschte Konsistenz steuern.

Das Pesto ist ausreichend für sechs Portionen. Eine kleinere Menge herzustellen, lohnt sich nicht. Man kann es im Kühlschrank mindestens eine Woche aufbewahren.

(Zutaten für 2 Portionen)

Der Gemüsesalat

Menge Zutat

1 mittelgroße

Zucchini

1 mittelgroße

Möhre

8 mittelgroße

Schwarzwurzeln

¼

junger Spitzkohl

4 cl

Gemüsebrühe

1 TL

Dijon-Senf

3 EL

Haselnussöl

2 EL

milder Obstessig (z. B. Mirabelle)

1 kleines Glas

Nonpareilles

1 EL

Kapernäpfel

 

Salz, Pfeffer, Zucker

½ l

Milch

Das Auberginen-Türmchen

Menge Zutat

1 mittelgroße

Aubergine

2 EL

Olivenöl

8 bis 10 kleine

Tomaten

einige Stiele

Basilikum

1

Scamorza

½ kleine

Zucchini

1 bis 2 TL

Sonnenblumenöl

1 Spritzer

Essig

 

Salz, Pfeffer

Das Pesto aus schwarzem Knoblauch

Menge Zutat

50 g

fermentierte Knoblauchzehen

50 g

Haselnüsse (geschält, geröstet, gehackt)

4 bis 5 Segmente

getrocknete, in Öl eingelegte Tomaten

1 ½ TL

Rosen-Harissa (oder Harissa und einige Tropfen Rosenwasser)

1 TL

Granatapfelsirup

1

Bio-Limette

 

Chiliflocken

½ TL

Kakaopulver (oder geriebene Schokolade, 80 %)

50 ml

mildes Olivenöl

einige Schlucke

Gemüsebrühe

 

Salz

Diese Seite wurde zuletzt am 04.06.2018 um 17:41 Uhr aktualisiert.

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