Fettuccine in Thunfisch-Kaperncrème mit geschmorten Artischocken

Fettuccine in Thunfisch-Kaperncrème mit geschmorten Artischocken

Fettuccine in Thunfisch-Kaperncrème mit geschmorten Artischocken

12. Juli 2017

Um es vorweg zu nehmen: Dieses Nudelgericht wird kalt serviert. Eine absolut notwendige Maßnahme, die sich anlässlich der Wetterlage letzter Woche ergeben hatte . Wir hatten es 36 Grad heiß. Da passt etwas Kühles immer. Heute, eine Woche später, überlegen wir, ob wir heizen sollen. Heute Morgen standen wir bei gerade einmal 14 Grad an der Bushaltestelle und fröstelten. Nein, ich lasse mich jetzt nicht übers Wetter aus, das nach Meinung fast aller immer verrückter wird. Denn ich hörte gestern einen Meteorologen sagen, dass selbst im Rekordsommer 2003 solche „Dellen“ zu verzeichnen waren. Also habe ich mich dafür entschieden, mir ausnahmsweise einmal keine Sorgen zu machen. So wie es ist, ist es.

Wenn ich eines nicht lassen kann, dann ist es das Beantworten dieser „Welcher Typ bin ich?“-Tests, die man in allen Mädels-Zeitschriften finden kann. Ich bin immer ganz versessen auf das Auswerten und die Beantwortung der Fragen zu welchen „Typ“ ich tendiere. Gott sei Dank lasse ich mich jedoch durch die Ergebnisse nicht verunsichern. Vielmehr mache ich mich lustig über die mir zugeschriebenen Eigenschaften. Warum aber mache ich das dann immer und immer wieder? Und wieso befinde ich mich mit dieser Marotte in bester Gesellschaft? Möglicherweise versteckt sich ja in uns allen, die wir an so etwas teilnehmen, eine diffuse Unsicherheit zur Bestimmung der eigenen Persönlichkeit. Dabei kann ich von mir behaupten, dass ich im Großen und Ganzen auf „Du und Du“ mit mir bin.

Gestern versuchte ich, mir auf diese Weise Klarheit darüber zu verschaffen, mit welchen Talenten ich gesegnet bin und was ich in meinem Leben bislang daraus gemacht habe. Nun kam ich doch ins Grübeln. Denn Vieles hatte ich als sehr kreativer und neugieriger Mensch daraus gemacht. Aber insgesamt betrachtet habe ich aus keinem meiner Talente „das Ding“ hervorgebracht. Ich konnte mich nie entscheiden, was ich lieber mochte. Ich wollte nichts von allem sein lassen. Meinen Schwerpunkt also auf eine „Hauptsache“ verlegen. Mag ich zu viel? Stimmt etwas nicht mit mir?

Ich kann gut zeichnen und malen. Hätte aber niemals Künstler werden wollen. Ich kann gut kochen, hätte aber niemals den Weg in die Profiküche gesucht. Ich habe aus reiner Neugierde ein Fernstudium zum Thema „Innenarchitektur“ belegt, obwohl mir nichts ferner liegt, als damit mein Geld verdienen zu wollen. Ich treibe gerne Sport, bleibe aber immer im moderaten Bereich. Ich will mich nicht zu Höchstleistungen anspornen. Ich will mir und anderen nichts beweisen und mich nicht messen. Sondern ich will all die schönen Dinge, die ich mag, gemütlich und entspannt tun können. Kein Stress, kein Muss. Lieber alles im Fluss. Das war jetzt aber gut – oder? ;-)

Hoffentlich liest das jetzt kein Psycho-Profi. Man könnte schon auf die Idee kommen, die Stirn zu kräuseln und zu überlegen, ob hier Handlungsbedarf ist, und man tätig werden sollte. Lungert in meinem Inneren etwa eine tiefgreifende Angst vorm „nicht verlieren können“ herum? Oder ist mir einfach die Freude an der Sache wichtiger als äußere Messkriterien? Spaß beiseite. Das ist jetzt nur eine rhetorische Frage. Denn ich finde, dass alles in Ordnung ist, so wie es ist. Also werde ich weiter in meiner Küche herumwerkeln, wenn ich Lust dazu habe. Werde zusammen mit dem Liebsten von schönen Gerichten Fotos machen und meine Gedanken in meinem Blog verewigen. Werde entspannt vor mich hinleben und mich so oft als möglich an meinem Leben freuen. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute ;-)

Kommen wir zum eigentlichen Objekt dieser Befassung: Zur kalten Nudel. Ich bin ein Freund dieser Herangehensweise und habe bereits an anderer Stelle darüber geschrieben. Auch darüber, dass sich diese von mir ausgedachten Kombinationen sowohl „formal“ als auch „inhaltlich“ von Nudelsalat unterscheiden. Den ich übrigens auch liebe, wenn er gut gemacht und vor allen Dingen schön schlotzig und herzhaft abgeschmeckt ist. Was viel zu oft nicht der Fall ist. Oft führt ein Nudelsalat ein eher trockenes und fades Dasein. Aber nicht bei mir. Kümmerlich geht nicht!

Der erwähnte formale Unterschied besteht ganz einfach in der Präsentation. Es ist nicht alles untrennbar miteinander vermischt, sondern die einzelnen Zutaten stehen im Vordergrund, was ich als besonderen Genuss empfinde. Und inhaltlich gebe ich mir alle Mühe, einmal nicht auf die üblichen Begleiter der kalten Nudeln zurückzugreifen. Nein: keine Fleischwurst, keine hartgekochten Eier, keine Gewürzgürkchen und keine Erbsen. Sondern eher ungewohnte Zutaten, die allesamt Lieblingszutaten sind, sollen ihren Auftritt bekommen.

Auf die Kreation, die ich euch heute vorstellen möchte, bin ich ein ganz klein wenig stolz. Denn sie enthält ausschließlich Lieblingszutaten von  mir, die sich vortrefflich miteinander verstehen und sich regelrecht umgarnen. Als da wären: Fettuccine in einer wunderbar cremigen Kapernmayonnaise, angelehnt an „Vitello Tonnato“. Schön mit in Öl eingelegtem Thunfisch bester Qualität und obendrauf noch einer Sardelle. Diese Sauce schmiegt sich geradezu um die Nudel.

Zwei weitere Lieblinge geben sich die Ehre: geschmorte Artischocken und sanfte, nussige Avocado. Einige geschmälzte Kirschtomaten, ein paar Taggiasca-Oliven und ein ganz wenig Petersilienöl dazu. Es ist eine Wonne, diesen Salat an einem schönen Sommertag mit einem Gläschen Weißen zu genießen.

Die Idee zu diesem „Nudelsalat“ kam mir übrigens aufgrund einer Einladung zum Barbecue. Jeder sollte etwas dazu beitragen und nach Meinung der Gastgeberin fehlte noch ein Nudelsalat auf dem Buffet. Wahrscheinlich machten alle einen Bogen darum, weil der schon ein etwas altbackenes Image hat und jeder denkt, „gähn“, das ist jetzt aber wirklich nichts Überraschendes! Ich also dachte mir, das sei erst recht eine Herausforderung und machte mich alsbald an den kreativen Teil: Was ließe sich zu etwas Raffiniertem vereinen?  Schließlich hatte ich ja gewissermaßen einen Ruf zu verlieren, denn im Freundes- und Bekanntenkreis kennt man die FoodLady. Ich lag mit der Rezeptur genau richtig und lege sie euch unbedingt ans Herz. Ihr werdet nicht enttäuscht sein!

  1. Artischocken putzen und in Zitronenwasser geben.
  2. In Segmente schneiden und in Olivenöl sanft schmoren. Beiseite stellen.
  3. Kirschtomaten blanchieren und enthäuten.
  4. In Olivenöl, Zucker, Salz und Pfeffer schmurgeln lassen.
  5. Petersilie blanchieren, abschrecken und mit Öl sowie Salz aufmixen.
  6. Ei, Senf und Öl in einen Mixbecher geben. Eine Mayonnaise hochziehen.
  7. Sardelle und Thunfisch, Zitronensaft und Zitronenabrieb untermixen. Salzgehalt prüfen und evtl. nachsalzen. Pfeffern.
  8. Nudeln in gesalzenem Wasser bis kurz vor al dente garen. Abschütten und abkühlen lassen.
  9. Mit der Mayonnaise vermischen und durchziehen lassen.
  10. Kapern hinzufügen.
  11. Flüssigkeitsgehalt überprüfen und gegebenenfalls noch etwas Fond oder Nudelkochwasser nachgeben.
  12. Avocado schälen und in Segmente schneiden. Mit Zitronensaft beträufeln. 

Die Artischocken putzen und sofort in eine Schüssel mit Zitronenwasser geben. In wunschgemäße Segmente schneiden und in etwas Olivenöl sanft schmoren. Beiseite stellen. Die Kirschtomaten kurz blanchieren und enthäuten. In etwas Olivenöl, Zucker, Salz und Pfeffer leise schmurgeln lassen. Die Petersilie blanchieren, abschrecken, ausdrücken und mit einer Tasse von dem Öl sowie etwas Salz aufmixen. Es soll ruhig noch etwas von den Blättchen zu sehen sein (Man benötigt von dem Öl nur ein wenig für die Garnitur, der Rest lässt sich im Kühlschrank gut aufheben).

Ei, Senf und Öl in einen Mixbecher geben. Von unten nach oben langsam eine Mayonnaise hochziehen. Die Sardelle und den abgetropften Thunfisch, etwas Zitronensaft und Zitronenabrieb untermixen. Gerne auch einen Teil der Kapernlake mit verwenden. Salzgehalt prüfen und evtl. nachsalzen. Pfeffern. Sollte die Konsistenz der Mayonnaise zu dicklich sein, kann man sie mit etwas Fond dünner rühren (So viel von der Crème verwenden, wie man es persönlich möchte).

Nudeln in gut gesalzenem Wasser bis kurz vor al dente garen. Sie ziehen in der Sauce noch nach. Abschütten und abkühlen lassen. Dabei eine halbe Tasse von dem Kochwasser aufbewahren. Mit der Mayonnaise vermischen und ruhig für einige Stunden durchziehen lassen. Dabei die Kapern hinzufügen. Flüssigkeitsgehalt überprüfen und gegebenenfalls noch etwas Fond oder Nudelkochwasser nachgeben.

Die Avocado schälen und in Segmente schneiden. Mit Zitronensaft beträufeln. Nun alles zusammen mit den Tomaten und Oliven appetitlich auf Tellern drapieren. Noch etwas von dem Petersilienöl darum herum träufeln und genießen!

(Für 2 Personen)

Menge Zutat

180 bis 200 g

feine Bandnudeln
1 nicht zu reife Avocado
5 bis 6 kleine Artischocken
1 Hand voll Kirschtomaten
2 bis 3 EL schwarze Oliven (z. B. ligurische Taggiasca)
1 Bio-Ei
2 TL Dijon-Senf
100 bis 120 ml mildes Olivenöl oder Rapsöl
Etwas Geflügelfond (zum Andünnen)
1 kleine Dose Thunfisch in Olivenöl
1 Sardelle
2 Bio-Zitronen
1 kleines Gläschen Kapern (z. B. Nonpareilles)
½ Bund Blattpetersilie
½ Tasse Olivenöl
  Salz, Pfeffer, Zucker

 

Diese Seite wurde zuletzt am 04.08.2018 um 20:24 Uhr aktualisiert.

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