Bentō

Bentō

Bentō

20. Juli 2018

Bentō wurde in Japan erfunden. Es bedeutet, dass man diverse Speisen in eine kleine Kiste verpackt und für unterwegs mitnimmt. Das Wichtige dabei ist, dass die Speisen nicht durcheinanderpurzeln, sondern die Kisten in mehrere Segmente unterteilt sind, nebeneinander angeordnet oder gestapelt. Bentō-Boxen nimmt man in Japan seit über 1.500 Jahren mit sich. Kleine Japaner nehmen sie mit in Krippe oder Schule. Große Japaner tauchen beinahe überall mit ihnen auf: bei der Arbeit, im Zug, beim Picknick und sogar im Theater. In Japan ist Bentō zum Kulturgut aufgestiegen und nicht mehr wegzudenken. Seit wir unsere giftgrünen Boxen geordert haben, erleben wir nur Schönes damit und sind gerade auf dem Weg zum „Bentōholic“!

Der Begriff Bentō steht für die Darreichungsform aber auch für die Bentō-Box samt Inhalt. Die Boxen hat man anfangs aus Holz gefertigt, später aus schnell wachsendem Bambus. Weil sie so preisgünstig waren, wurden sie nicht mehr gespült sondern weggeworfen. Davon kam man im Laufe der Jahre allerdings wieder ab. Während des Krieges stellte man Alu-Boxen her, die die Soldaten am Gürtel mit sich trugen. Schließlich kehrten die Holzboxen zurück. Die „Bentō-Box reloaded“ wurde sehr wertig und edel gestaltet. Weit verbreitet waren schwarze, auf Hochglanz polierte Boxen, die aussahen wie Schmuckkästchen. Schließlich wurde die Box an sich zum Statussymbol, denn nach dem Krieg konnten sich viele kein Bentō leisten. Das ließ natürlich Sozialneid aufkommen und passte nicht in ein Land, in dem es vor allem gemäßigt zugehen sollte. In vielen Schulen wurde Bentō daher verboten, und die Kinder bekamen stattdessen Kantinenessen. Da waren dann alle wieder gleich. Erst ab den Achtzigern erlebte Bentō sein Revival und eroberte das Land im Sturm. Heute ist die Bentō-Box äußerst nützlicher Gebrauchsgegenstand und Kultgerät in einem. Es gibt unendlich viele Ausformungen. Holz, Edelstahl, Kunststoff: alles ist möglich. Die Designer überschlagen sich. Für den angemessenen Transport benutzt der stilbewusste Japaner ein „Furoshiki“, ein Tuch, in das die Box eingewickelt wird. Noch schicker sind die „Kinchakus“, praktische Taschen zum Transport von gleich mehreren Boxen. Eine Familienpackung gewissermaßen. Wer möchte, kann sich die Vielfalt der Bentowelt hier anschauen.

Der Japaner richtet sich sein Bentō zuhause mit selbstgemachten Zutaten her oder geht in spezielle Bentō-Läden. Auch in den Bahnhöfen sind diese Bentō-Läden angesiedelt, „Ekiben“ bedeutet übersetzt „Bahnhofsbentō“. Die Reisenden können sich hier ihre Wegzehrung nach Gusto zusammenstellen. Mir kam beim Recherchieren zum Thema Bentō der Begriff „Fastfood“ in den Sinn. Aber mit unseren europäischen Fastfood-Restaurants sind die Bentō-Läden nicht vergleichbar. So hat zum Beispiel jeder Bahnhof sein eigenes Sortiment an Gerichten. Man findet somit nichts flächendeckend Konfektioniertes vor. Zudem können auf diese Weise die Regionen ihre traditionellen Rezepturen präsentieren. Für mich ein schöner Gedanke: Ich reise mit dem Zug durch dieses riesige, mannigfaltige Land und versorge mich mit den unterschiedlichsten Köstlichkeiten der Umgebung auf das Abwechslungsreichste. Da kann mir doch das Einerlei aus den Bordrestaurants, wie wir das kennen, gestohlen bleiben tongue-out.

Bentō-Box
Bentō-Alltag

Es gibt jedoch auch viele überregionale Rezepte, Bentō-Klassiker gewissermaßen. Ich kann kein Wort Japanisch, doch ich bin ausgiebig durch die Bentō-Welt gesurft. Und weil die Namen so melodisch und exotisch klingen, gebe ich spaßeshalber einmal einige Kostproben. „Gyuniku“ enthält gebratenes Rindfleisch, „Makunouchi“ ist ein Klassiker mit Reis, gebratenem Lachs und einem Omelett. „Shidashi“ ein Festessen, das im Restaurant zubereitet und meist zu Mittag ausgeliefert wird: Lieferservice! Das Gericht besteht unter anderem aus Reis, Tempura und eingelegtem Gemüse. Witzig finde ich „Sushizume“, was so viel wie „sehr voll“ bedeutet. Die Box für den großen Hunger! Die könnte mir gefallen . Und Bentō, das man ausschließlich vormittags verzehrt, heißt „Hayaben“. Die Aufzählung könnte man jetzt fortsetzen, bis eine unfassbar lange Liste entstanden ist. Japan ist ein sehr großes Land mit vielen hungrigen Menschen!

Uns macht Bentō glücklich, weil wir uns damit unabhängig fühlen und nach unserem Geschmack und unseren Bedürfnissen essen können. Das hat viele Vorteile! Ist am Abend etwas übrig, vernaschen wir es nun nicht mehr in der Nacht sondern haben schon ein Abteil unserer Box gefüllt und die Versuchung beiseite geschafft. Das Essen ist in Sicherheit, die Plauze sagt „Danke!“

Die heutige Box, sie hat fünf unterschiedlich dimensionierte Abteile, bestücken wir einmal zusammen:

Abteil 1 (groß): Am Vorabend gab es Salat, unter anderem mit Zucchini, Fleischwurst und Bohnen. Ich habe etwas mehr zubereitet. Voilà!

Abteil 2 (mittelgroß): Im Kühlschrank lagen noch vier gekochte Kartoffeln. Die hat der Liebste am Morgen knusprig gebraten und mit Chilisalz scharf gemacht.

Abteil 3 (etwas kleiner): Ein schnell angerührter Kräuterquark.

Abteil 4 (die Größe von Abteil 3): rotbackige Aprikosen. Sommer ist’s!

Abteil 5 (klein und rund): sauer marinierte Pilze aus dem Vorrat.

Ein Mittagessen vom Feinsten kann ich euch sagen! Und so etwas haben wir jetzt jeden Mittag. Was da ist, kommt rein, wenn was fehlt, frickeln wir es am Morgen zurecht. Ist wenig Zeit, gibt es Melone mit Schinken, Tomate mit Mozzarella, Omelette mit Pilzen, Käse und Oliven, Paté und Birne, Schafskäse und Feige. Und immer so weiter. Zwischenzeitlich haben wir Routine entwickelt und arbeiten auf Vorrat. Braten wir Fleisch- oder Fischbällchen, gibt es gleich einige mehr für die Box. So mache ich es mit allen Salaten, die man gut aufheben kann, wie Spitzkohl- oder Blumenkohlsalat, zur jetzigen Jahreszeit auch häufig Schnittbohnensalat. Gekochte Eier sind immer im Kühlschrank, die kann man lecker füllen, oder einfach halbieren und mit Sojasauce beträufeln. Backe ich Omelette, wächst der Stapel etwas weiter in die Höhe. Ob ein Rest Bolognese oder Blaubeerkompott als Füllung hineinwandert: Sie schmecken immer. Bentō erfordert etwas Zeit und viel Phantasie. Planung ist die halbe Miete. So, das war doch eine steile Vorlage!

Ich wünsche fröhliches, gesundes und leckeres: Bentō!

Der Salat

  1. Am Vorabend Zucchini in feine Scheiben hobeln.
  2. Tomate und Paprika in Segmente schneide.
  3. Lyoner halbieren und in Scheiben schneiden.
  4. Bohnen abspülen und abtropfen lassen.
  5. Zutaten für Vinaigrette verrühren und über die vorbereiten Zutaten geben. Durchziehen lassen.

Die Kartoffeln und der Quark

  1. Kartoffeln am Vorabend kochen und pellen. Kaltstellen.
  2. Kräuter waschen und abzupfen.
  3. Alle Zutaten miteinander verrühren. Über Nacht kaltstellen.
  4. Am Morgen in dicke Scheiben schneiden und in Butterschmalz ausbacken.
  5. Mit Chilisalz und Pfeffer würzen.

Die marinierten Pilze (aus dem Vorrat)

  1.  Champignons putzen und vierteln.
  2. Wasser und Essig aufkochen lassen, Pilze und Gewürz-Säcken dazugeben. Köcheln lassen.
  3. Beiseite ziehen, durchziehen lassen.
  4. Pilze abtropfen und auskühlen lassen.
  5. Knoblauch, Petersilie, Öl, getrocknetes Basilikum und Salz zu einer Marinade verrühren.
  6. Pilze damit vermischen und im Kühlschrank durchziehen lassen.

 

Der Salat

Am Vorabend Zucchini in feine Scheiben hobeln. Tomate und Paprika in Segmente schneiden. Lyoner halbieren und in Scheiben schneiden. Die Bohnen abspülen und auf einem Sieb abtropfen lassen. Die Zutaten für die Vinaigrette verrühren und über die vorbereiten Zutaten geben. Durchziehen lassen.

Die Kartoffeln und der Quark

Die Kräuter waschen und abzupfen. Alle Zutaten miteinander verrühren. Über Nacht kaltstellen. Die Kartoffeln am Vorabend kochen und pellen. Kaltstellen. Am Morgen in dicke Scheiben schneiden und in Butterschmalz knusprig ausbacken. Kräftig mit Chilisalz und Pfeffer würzen.

Die marinierten Pilze (aus dem Vorrat)

Die Champignons putzen und vierteln. Wasser und Essig aufkochen lassen, Pilze und Gewürz-Säcken dazugeben und 5 Minuten köcheln lassen. Beiseite ziehen, 45 Minuten ziehen lassen. Das Gewürzsäckchen entfernen und die Pilze auf einem Sieb abtropfen und auskühlen lassen. Knoblauch, Petersilie, Öl, getrocknetes Basilikum und Salz zu einer Marinade verrühren. Die Pilze damit vermischen und im Kühlschrank mindestens 24 Stunden durchziehen lassen. Die Pilze werden von Tag zu Tag leckerer und können bis zu einer Woche im Kühlschrank aufbewahrt werden.

Außerdem:

6 Aprikosen oder anderes Obst nach Saison und Gusto. Fertig ist die Box!

(Zutaten für 2 Boxen)

Der Salat

Menge Zutat

1 kleine

Zucchini, grün

1 kleine

Zucchini, gelb

2

Flaschen-Tomaten

½

rote Paprika

½ Dose

Canelli-Bohnen

1 Stück (ca. 10 cm lang)

Fleischwurst

3 bis 4 EL

gefüllte Oliven

1 TL

Senf

2 TL

Honig

2 EL

helle Sojasauce

2 EL

Olivenöl

1 bis 2 EL

Weißwein-Essig

 

Chilisalz, Pfeffer

Die Kartoffeln und der Quark

Menge Zutat

1 Packung

Quark (20 % Fett)

4 EL

Milch

2 EL

Tomaten-Ketchup

Einige Spritzer

Tabasco

Etwas

granulierte Zwiebel

Etwas

granulierter Knoblauch

Einige Stiele

frische Kräuter

 

Salz, Pfeffer

4 mittelgroße

gekochte Kartoffeln (vom Vortag)

1 EL

Butterschmalz

 

Chilisalz, Pfeffer

Die marinierten Pilze (aus dem Vorrat)

Menge Zutat

500 g

Steinchampignons

200 ml

milder Weißweinessig

400 ml

Wasser

1 Gewürz-Säckchen (zugebunden)

Je ¾ EL getrockneter Rosmarin, Thymian, Oregano, 2 Nelken, 1 frisches Lorbeerblatt, 1 cm Zimtstange

1

Knoblauchzehe (fein gehackt)

6 bis 8 Stiele

Blattpetersilie (fein gehackt)

5 bis 6 EL

Olivenöl

1 EL

getrocknetes Basilikum

1 TL

Salz

Diese Seite wurde zuletzt am 20.07.2018 um 12:51 Uhr aktualisiert.

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