Artischockensuppe

Artischockensuppe

8. April 2020

Die Artischockensuppe, nach einem Rezept der italienischen Spitzenköchin Maria Luisa Scolastra, habe ich im Magazin der Süddeutsche Zeitung entdeckt. Sie stellt dort im Wechsel mit anderen Köchen einfache, bodenständige Gerichte nach ihrer Handschrift vor. Zur Suppe backte ich zarte Scones und bereitete einen cremigen Eiersalat zu. Ein Probelauf! Dass der Osterbrunch entfallen würde, und stattdessen alle getrennt voneinander speisen würden, ahnte ich trotz bedrückender Vorzeichen noch nicht!

Die winzige Kugel, die sich im Januar von China aus auf ihre Reise um die Welt aufmachte, hat unser Leben inzwischen fest im Griff. „Corona“ ist unter uns! Ich will mich in diesem Post nicht beklagen oder beschweren, sondern meine Gedanken teilen. Diese ganze Situation verlangt mir – wie allen anderen auch – viel ab. Sonst übe ich mich freiwillig in Disziplin und Achtsamkeit, nun ist es der einzige Weg, die Krise möglichst unbeschadet zu überstehen! Es ist unfassbar, dass einige Menschen in diesen komplizierten Zeiten nichts Besseres zu tun haben, als Atemmasken zu stehlen, Passanten anzuspucken oder Gegenstände von Autobahnbrücken zu werfen. Andere setzen Friseure unter Druck, damit sie illegale Hausbesuche durchführen, und die häusliche Gewalt steigt. Das Virus bringt offensichtlich unsere schwächsten Seiten zum Vorschein, der wirre US-Präsident erklärt ihm gar den Krieg! Viele andererseits laufen zur Hochform auf und helfen unermüdlich und unter Einsatz ihrer eigenen Gesundheit!

Im Zeichen von Corona: Leere Regale

Fakten zerstäuben Träume

In der Tat gibt es nur noch wenige Dinge, die Normalität in sich tragen. Plötzlich steht vieles auf dem Prüfstand, was selbstverständlich machbar war. Gerne wäre ich eben zu diesem Zeitpunkt am geliebten Bodensee. Zuerst dachten wir, dass wir einfach in unserer schönen Ferienwohnung bleiben und antizyklisch essen gehen würden, wenn nicht allzu viele Menschen unterwegs wären. Zum jetzigen Zeitpunkt kommen mir diese Überlegungen banal, beinahe absurd vor. Bevor ich mich vollends auf die Situation einpegeln konnte, verbot die bayerische Regierung die Einreise. Ende der Tagträumereien, jedoch fand ich diese Entscheidung vollkommen richtig! Noch hatten wir so etwas wie Büroalltag bei uns im Unternehmen, doch das änderte sich rasend schnell!

Im Zeichen von Corona: Papierhandtücher auf Vorrat

Leben im Wandel

Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt der Krise brachten wir uns Küchenrolle und rückfettende Handseife mit ins Büro, weil wir alle um die Wette schrubbten und erste Papierhandtuch-Rollen Beine bekommen hatten. Später bekamen auch die für Multifunktionsarbeitsplätze bereitgestellten Desinfektionsmittel ein anderes Zuhause, in den Drogeriemärkten lichteten sich die Regale mit Toilettenpapier, Küchenrolle und Sagrotan. Unsere Geschäftsleitung entschied, zügig alle nachhause zu schicken, die ihre Arbeit vom Homeoffice aus erledigen konnten. Gerade wollte ich mit Kollegen Mittagspause machen, nun fuhr ich mit hängenden Schultern von dannen. Noch schnell die Blumen gegossen, einige persönliche Dinge eingepackt, noch einmal allen zugerufen „Bleibt gesund!“. Ich stand ein wenig unter Schockstarre!

Auslauf in Maßen

Zuhause am Schreibtisch hielt es mich nicht, zu fremd war die Situation. Es fühlt sich verkehrt an, wenn Gewohntes plötzlich angeordnet ist! Ich zog die Laufschuhe an und drehte eine Runde um die Stadt. Schon mochte ich es nicht mehr, wenn mir Menschen entgegenkamen, und schon gar nicht, wenn einer schneller lief als ich, und mich von hinten schnaufend überholte. Mittwoch war es, das Ausgehverbot kam bei uns erst am Freitag, pünktlich vorm Wochenende. Eine sehr richtige Entscheidung, sagte mein Verstand, im Bauch grummelte es jedoch gewaltig, ob des dräuenden Hausarrests. Meine größte Sorge war, dass ich nicht zum Laufen nach draußen können würde. So kam es Gott sei Dank aber nicht! Im Wald erfährt meine Verunsicherung und unterschwellige Verstörtheit ein Stück weit Linderung. Dort ist es wie immer, die Natur erwacht, Bienen summen, Vögel singen aus voller Kehle, nur die anderen Spaziergänger schauen argwöhnisch und treten an engen Stellen beiseite in Böschungen oder Ackerränder.

Im Zeichen von Corona: Abstand halten

Leben auf Distanz

Mitte Februar räumte ich – möglicherweise schon unterbewusst in Alarmbereitschaft – eine Hunderterpackung Einweghandschuhe in den Einkaufskorb, zu diesem Zeitpunkt war es mir noch wichtig, dass es die schwarzen waren, die ich in der Küche trage, wenn ich zum Beispiel mit Roten Beten hantiere. An der Kasse im Supermarkt standen Körbe mit Mundschutz parat, ich griff mir zwei Packungen. Inzwischen, Anfang April gehen wir nicht mehr ohne beides einkaufen, ich hätte so etwas niemals für möglich gehalten! Zahnarztbesuche sind abgesagt, an Friseur ist nicht zu denken. Nichte und Neffen, sowie der Liebste mussten Geburtstage ohne die Lieben feiern. Meinen Eltern stelle ich die Einkäufe vor der Haustür ab und schicke Handküsse vom Gartentürchen. Während ich am Laptop sitze und schreibe, kullern die Tränen, es ist halt das erste Mal im Leben, dass einfach alles gefährlich scheint! Jetzt habe ich doch entgegen meiner Absicht ein klein wenig Weh geklagt, es sei mir verziehen!

Die Welt und uns umarmen

Ich spiele mit dem Gedanken, die Artischockensuppe und den hochköstlichen Eiersalat trotz allem zuzubereiten. Dann die Scones zu backen, um am Ostermorgen alles in Böxchen zu packen und mich aufzumachen zum Ausliefern. Ich werde es aber lieber sein lassen, denn zu groß ist meine Sorge, dass ich der Familie auf diesem Weg einige der virulenten Kügelchen ins Haus schleusen könnte. Lieber speisen wir gemeinsam im Geiste und sind uns näher, als wir es vorher waren. Vieles wird nach dem Abflachen der „Coronakurve“ wieder Alltag werden, das ist das Leben. Manches jedoch wird in unseren Gedanken und in der Seele bleiben, zum Guten, glaube ich. Noch mehr werden wir zu schätzen wissen, was wir aneinander und an der schönen Welt da draußen haben! Wir werden tagelang ein großes Fest feiern und uns ununterbrochen umarmen!

Die Artischockensuppe und die Einlage

  1. Artischocken putzen, äußere, harte Blätter und Heu entfernen.
  2. Arti­schockenböden in Schnitze schneiden, in Wasser mit Zitronensaft tauchen.
  3. Sellerie entfädeln, fein schneiden.
  4. Zwiebel fein würfeln, in Olivenöl mit angedrückter Knoblauchzehe und Sellerie anschmoren.
  5. Kartoffeln fein würfeln, Artischocken, Thymian und Minze zugeben, von der Flamme nehmen, durchziehen lassen.
  6. Brühe angießen, Suppe köcheln lassen.
  7. Fein pürieren. Mit Salz, Pfeffer und Zitronensaft abschmecken.
  8. Etwas von der Suppe abnehmen, mit flüssiger Sahne verquirlen. Mix unter die Suppe rühren.

  9. Für die Einlage Artischocken ebenfalls putzen und in Zitronenwasser legen.
  10. Kartoffeln fein würfeln.
  11. Artischockenböden in Segmente schneiden, in Olivenöl und Nussbutter goldbraun schmoren.
  12. Kartoffeln blanchieren, abtropfen lassen, auf Küchenkrepp abtrocknen.
  13. In Olivenöl und Nussbutter knusprig braten. Mit Chilisalz abschmecken.
  14. Schnittlauch in feine Röllchen schneiden.
  15. Artischocken und Kartoffelwürfelchen mit Schnittlauch vermengen, pfeffern und in die Suppenteller platzieren.
  16. Mit Minzeblättchen garnieren.
  17. Heiße Suppe angießen.

Die Scones

  1. Wasser aufkochen. Über die Flocken gießen und quellen lassen.
  2. Butter grob raspeln und kalt stellen.
  3. Mehle, Salz und Backpulver mischen. Jogurt und Brühstück zugeben.
  4. Vermengen, dabei nach und nach Butter zugeben und unterkneten.
  5. Teig auf Arbeitsfläche kurz durchkneten, ausrollen.
  6. Scones ausstechen und auf ein Backblech legen.
  7. Oberfläche der Scones mit Milch einpinseln und mit Flocken bestreuen.
  8. Im vorgeheizten Backofen backen.

Der Eiersalat

  1. Mayonnaise mit Sauerrahm und Senf vermischen. Eier pellen.
  2. 4 Eigelbe fein zerdrücken, 4 Eiweiße in kleine Würfel schneiden, unter die Mayonnaise-Mischung heben.
  3. Restliche Eier achteln, dann halbieren, mit Kapern, Schnittlauch und einem Teil Kresse unter die Mayonnaise heben.
  4. Mit Chilisalz und Pfeffer abschmecken. Durchziehen lassen.
Das Artischockensüppchen ist feder­leicht und cremig, dazu passt die Einlage aus ge­schmor­ten Ar­ti­scho­cken und feu­rigen Kar­tof­fel­wür­fel­chen perfekt. Die luftigen Scones mit dem ge­schmei­di­gen Eiersalat er­gän­zen das Ge­richt und sind eine Reminiszenz an Ostern!

Die Artischockensuppe und die Einlage

Für die Suppe Artischocken putzen, dabei die äußeren, harten Blätter und das Heu im Inneren entfernen. Arti­schockenböden in Schnitze schneiden, in Wasser mit Zitronensaft tauchen, damit sie nicht braun anlaufen. Sellerie entfädeln, fein schneiden. Zwiebel fein würfeln, in 4 EL Olivenöl, angedrückter Knoblauchzehe und Sellerie anschmoren. Kartoffeln fein würfeln, Artischocken, Thymian und 1 Zweig Minze zugeben, von der Flamme nehmen, durchziehen lassen. Brühe angießen, Suppe 15 bis 20 Minuten köcheln lassen. Fein pürieren. Mit Salz, Pfeffer und einem Spritzer Zitronensaft abschmecken. 4 EL von der Suppe abnehmen, mit flüssiger Sahne verquirlen. Mix unter die Suppe rühren, so dass sie schön cremig wird (nicht mehr kochen lassen!).

Für die Einlage Artischocken ebenfalls putzen und in Zitronenwasser legen. Kartoffeln gleichmäßig fein würfeln. Artischockenböden in Segmente schneiden, in Olivenöl und etwas Nussbutter langsam goldbraun schmoren. Kartoffeln kurz blanchieren, abtropfen lassen, auf Küchenkrepp abtrocknen. In etwas Olivenöl und Nussbutter bei mittlerer Hitze knusprig braten. Mit Chilisalz abschmecken. Währenddessen Schnittlauch in feine Röllchen schneiden. Artischocken und Kartoffelwürfelchen mit Schnittlauch vermengen, pfeffern und mit einem Servierring in die Suppenteller platzieren. Mit Minzeblättchen garnieren. Heiße Suppe angießen, Ringe entfernen, zügig servieren.

Die Scones

Für das Brühstück 200 ml Wasser in einem kleinen Topf kurz aufkochen. Flocken in eine Schale geben, kochendes Wasser darüber gießen und 15 Minuten quellen lassen.

Butter grob raspeln und kalt stellen. Mehle, 10 g Salz und das Backpulver in einer Rührschüssel mischen. Jogurt und Brühstück zugeben. Mit den Knethaken des Handrührers vermengen, dabei nach und nach die Butter zugeben und unterkneten.

Den Teig auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche kurz mit den Händen durchkneten und 2 cm dick ausrollen. Mit dem runden Ausstecher Scones ausstechen und auf ein mit Backpapier belegtes Backblech legen. Vorgang wiederholen, bis der Teig verbraucht ist. Den Teig dabei so wenig wie möglich kneten, da er sonst zäh wird.

Die Oberfläche der Scones dünn mit Milch einpinseln und mit Flocken bestreuen. Im vorgeheizten Backofen bei 240 °C Ober-/Unterhitze auf der mittleren Schiene 15 bis 20 Minuten backen. Herausnehmen und ofenwarm oder abgekühlt servieren.

Der Eiersalat

Mayonnaise mit Sauerrahm und Senf vermischen. Eier pellen. 4 Eigelbe mit der Gabel fein zerdrücken, 4 Eiweiße in sehr kleine Würfel schneiden, unter die Mayonnaise-Mischung heben. Restliche Eier achteln, dann halbieren, mit Kapern, Schnittlauch und einem Teil der Kresse unter die Mayonnaise heben. Mit Chilisalz und Pfeffer abschmecken. Im Kühler gut durchziehen lassen. Auf die halbierten Scones setzen, mit Kresse garnieren, Deckel anstellen.

Die Artischockensuppe und Einlage

(Für 4 Portionen, entsprechend der Gästezahl hochrechnen)

Menge Zutat

 

Die Suppe

6 bis 8 mittelgroße

Artischocken

1

Zitrone

100 g

milde Zwiebeln

1

Knoblauchzehe

80 g

Stangensellerie

6 EL

Olivenöl

150 g

Kartoffeln

1

Zitrone

2 Zweige

Thymian

2 Zweige

Minze

1 l

Gemüsebrühe

30 g

Schlagsahne

 

Salz, Pfeffer

 

Einlage

2 mittelgroße

Artischocken

2 mittelgroße

Kartoffeln

½ Bund

Schnittlauch

2 EL

Olivenöl

1 EL

Nussbutter

 

Chilisalz

Die Scones

(ergibt 18 Stück, Rezept: "essen & trinken", 4/2020)

Menge Zutat

100 g (+ etwas zum Bestreuen)

5-Korn-Flocken (ersatzweise Dinkelflocken)

100 g

Butter (kalt)

300 g

Dinkelmehl (Type 630)

180 g

Roggenmehl (Type 1150)

3 TL

Weinsteinbackpulver

200 g

griechischer Sahnejogurt

3 bis 4 EL

Milch

 

Salz, Zucker

 

Ausstechring (Ø 6 cm)

Der Eiersalat

(ausreichend für 18 Scones)

Menge Zutat

12

Eier (hart gekocht)

150 ml

Mayonnaise (beste Qualität oder selbst gemacht)

2 EL

Sauerrahm

1 EL

Dijon-Senf

1 EL

körniger süßer Senf

2 EL

Kapern (mit etwas Flüssigkeit)

1 Bund

Schnittlauch

2 Beete

Kresse (gerne gemischt: rot und grün)

 

Chilisalz, Pfeffer

Diese Seite wurde zuletzt am 16.05.2020 um 11:17 Uhr aktualisiert.

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