Mein Jahresrückblick, 2021

Goldene Halbmonde statt Böller

In Corona-Zeiten muss der mental und seelisch angenagte Zeitgenosse zusehen, dass er sich über die nervige Durststrecke hinweghilft. Der zweite „große Lockdown“ dauerte vom 16. Dezeber 2020 bis zum 10. Januar 2021. Zum Jahreswechsel konnten wir also nicht gepflegt essen gehen. So schlugen wir zuhause über die Stränge mit einem „Korma“ samt Garnelen. „Korma“ ist indischen Ursprungs und von seinem Wesen her ein Schmorgericht, das einem „Curry“ ähnlich ist. Korma hilft gegen vieles. Es wärmt von innen, tut unfassbar gut und duftet heilend! Sein Charakter ist wundervoll intensiv und gleichzeitig ausgleichend sanft. Die cremige, leise geschmurgelte Sauce offenbart geheimnisvolle Aromen. Sind die unverzichtbaren Gewürze gekonnt dosiert, ist der Esser betört und beglückt.

Mein Korma verzichtet auf Fleisch und präsentiert stattdessen Kartoffeln als Hauptzutat. In dieser zäh sich haltenden, öden C-Zeit ist mir willkommen, was mich ablenkt. Dazu gehören handwerkliche Tätigkeiten. Ich schnitze meine Kartoffeln halbmondförmig. Wobei meine „Goldenen Halbmonde“, mit Safran geschmurgelt, ausdrücklich keine politische Bedeutung haben, doch gegen ein Expandieren des Monde-Kormas hätte ich nichts! Die Kartoffeln sind am Ende geschmeidig. Die Garnelen außen goldbraun, innen glasig. Geröstete Nüsse und karamellisierte Trauben spenden veredelnden Kontrast, der den kulinarischen Kreis schließt. Kein Wunsch bleibt offen!

Bei einem Gericht mit einfachen Zutaten zählt untadelige Qualität. Korma braucht feinste Gewürze. Korma-Anfänger investieren der Einfachheit halber in eine Gewürzmischung. Korma gilt in den Herkunftsregionen als „königliches“ Gericht für außergewöhnliche Ereignisse. In Corona-Zeiten baut es die mental Schwächelnden auf und gibt frischen Mut! Solange ein Schmortopf gemütlich schmurgelt und köstlich duftet, sind die Gedanken im Januar sorglos und beschwingt: „C-Päuschen“!

Zum Beitrag: Kartoffel-Korma mit Garnelen.

Durchschlüpfen wie ein Fisch

Von Mitte Februar bis Mitte März stehen wir im Sternzeichen „Fisch“. Man bescheinigt dem „Fisch“, er sei feinfühlig und hilfsbereit. Nun stand der Februar dieses Jahres zudem unter den unheilvollen Zeichen von „Corona“. Wir bekommen es zudem mit der Spezies der egoistischen „Impfvordrängler“ zu tun. Dass dennoch Fische unter ihnen sind, ist nicht ausgeschlossen. Draußen schneit es derweil vielerorts über die Maßen, und es gibt leichte „Lockerungen“, um an die frische Luft zu gehen. Ich bleibe vorsichtig und umrunde plappernde dichte Menschenansammlungen an Rodelhängen weiträumig.

Während sich die Politik mit Dauer und Maßnahmen des „Lockdown Light“ befasst, der letztlich bis in den März hinein verlängert wird, bemühe ich mich um Ausgeglichenheit. Mal gelingt mir das besser, mal nicht so gut. Mir ist fade im Homeoffice. Die Arbeit geht schleppend von der Hand, Kollegen und die geselligen Begegnungen auf Flur und in der Teeküche fehlen mir. Ich habe mir ein weiteres Paar Jogginghosen geordert, damit mein Erscheinungsbild nicht komplett ins Monotone rutscht. Ich kann behaupten, dass ich mir Mühe gebe und das Licht am Ende des Tunnels fixiere.

Man mag nun denken, dass Fischfrikadellen und Mais als Gericht mit einfachen Zutaten dem Profanen zuzuschlagen seien, doch wirken sie am Ende in ihrem Auftritt und Zusammenspiel durchaus überirdisch. Die Mischung aus frischem und geräuchertem Fisch ergibt die perfekte Melange. Wie auch bei den Tierkreiszeichen ergänzen sich Fisch und Fisch. Überraschend tiefsinnig ist die Crème aus entsaftetem, frischem Mais, der zum Superhelden avanciert. Mais ist ein Allrounder, er wirft sich mit seiner komplexen Persönlichkeit kraftvoll in den Ring und gibt alles! Ein pfiffiger Salat aus Apfel und Gurke balanciert zwischen Gleichklang und Abwechslung. Ein Corona-Shooter, der Körper, Geist und Seele kräftigt und Speed in das Corona-Einerlei bringt!

Zum Beitrag: Forellenfrikadellen auf Maissaft-Polenta.

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